Erkältung, Lippenherpes & Make-up: Was muss wirklich weg – und was nicht?
Nach einer Erkältung oder einem Lippenherpes taucht oft dieselbe Unsicherheit auf: Kann das Make-up weiter benutzt werden – oder ist es aus Hygienegründen besser, bestimmte Produkte zu entsorgen? Besonders kritisch sind alles, was direkt an die Lippen, die Nase oder auf gereizte Haut kommt: Lippenprodukte, Concealer, Pinsel, Schwämmchen.
Im Folgenden geht es darum, welche Produkte Sie genauer anschauen sollten, welche sich gut retten lassen – und wo Wegwerfen tatsächlich die vernünftigste Entscheidung ist.
Wie sich Erkältungs- und Herpesviren auf Ihre Beauty-Routine auswirken
Während einer Erkältung oder bei aktivem Lippenherpes ist der Weg der Viren zu Ihren Produkten kurz: über Hände, Taschentücher, Nasensekret oder Speichel.
- Erkältungsviren überleben außerhalb des Körpers meist nur begrenzt gut. Auf trockenen Oberflächen verlieren sie mit der Zeit deutlich an Aktivität.
- Herpes-simplex-Viren (Typ 1) halten sich auf feuchteren Oberflächen länger und werden dann problematisch, wenn sie an Schleimhäute oder kleine Verletzungen geraten – zum Beispiel an die Lippen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Produkte, die Sie direkt an Lippen, Nasenbereich oder auf gereizte bzw. offene Stellen auftragen – vor allem, wenn sie Feuchtigkeit enthalten oder unmittelbar mit der Haut in Kontakt kommen.
Produkt für Produkt: Was sich retten lässt – und was eher nicht
Lippenstift, Lipbalm & Co.
- Dreh-Lippenstifte und Lippenliner: Wurden sie während eines aktiven Herpes-Ausbruchs direkt an der betroffenen Stelle benutzt, steigt das Risiko, sich beim späteren Verwenden erneut zu kontaminieren. Viele Dermatolog:innen raten deshalb in diesem Fall dazu, diese Produkte zu entsorgen – vor allem, wenn sie über mehrere Tage direkt auf der Herpesstelle im Einsatz waren.
- Lippenpflegestifte (direkt aus der Hülse): Das Prinzip ist dasselbe: kleine Kontaktfläche, aber unmittelbarer Kontakt mit der Infektion. Nach einem deutlichen Herpes-Schub ist Wegwerfen hier die sicherste Option.
- Lippenprodukte im Tiegel: Sie werden meist mit dem Finger entnommen; Produkt und Keime vermischen sich leichter. Wurden solche Tiegel während einer ausgeprägten Erkältung oder eines Herpes-Schubs benutzt, spricht viel dafür, sie aus Hygienegründen zu ersetzen.
Foundation, Concealer & Puder
- Flüssigprodukte mit Pumpe oder Spender: Diese sind vergleichsweise unkritisch, weil der Inhalt nicht direkt mit der Haut in Berührung kommt. Nach einer normalen Erkältung können sie in der Regel problemlos weiter genutzt werden.
- Concealer mit Applikator (z. B. Flockapplikator): Wird er direkt an Nase oder Lippen verwendet, sammeln sich dort leicht Sekrete. Nach einem Herpes-Schub an der Lippe kann es sinnvoll sein, den Concealer zu entsorgen – insbesondere, wenn er direkt auf die betroffene Stelle kam.
- Gepresste Puder: Hier lässt sich die oberste Schicht leicht abtragen. In Kombination mit regelmäßig gereinigten Pinseln gelten sie im Zusammenhang mit einer Erkältung meist als unproblematisch.
Pinsel, Schwämmchen & Tools
- Make-up-Pinsel: Sie sind gut zu retten. Eine gründliche Reinigung mit mildem Reiniger und lauwarmem Wasser entfernt in der Regel sowohl Produktreste als auch einen Großteil der Keime.
- Schwämmchen und Beauty-Schwämme: Warm, feucht, porös – ideale Bedingungen für Keime. Hatten sie Kontakt mit Lippenherpes oder stark laufender Nase, ist es oft realistischer und hygienischer, sie zu ersetzen, statt sich auf eine Reinigung zu verlassen.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
- „Es ist ja schon trocken, dann ist es nicht mehr ansteckend“: Eine abgeheilte Herpesblase ist optisch beruhigend, sagt aber nichts darüber, was in Ihrem Lippenprodukt passiert ist. Was während der aktiven Phase kontaminiert wurde, kann weiterhin Viren enthalten.
- Gemeinsame Nutzung von Kosmetik: Geteilte Lippenprodukte, Mascara oder Concealer sind eine zuverlässige Möglichkeit, Viren und Bakterien zu übertragen – auch dann, wenn niemand gerade sichtbare Symptome hat.
- Pinselhygiene nach Gefühl: Pinsel, die selten gewaschen werden, sammeln nicht nur Pigmente, sondern auch Keime. Das begünstigt Unreinheiten, Reizungen und macht sie in Erkältungsphasen zusätzlich problematisch.
- Finger im Tiegel: Ungewaschene Hände transportieren bei Schnupfen oder Herpes Keime direkt ins Produkt. Je cremiger und feuchter, desto dankbarer ist das Milieu dafür.
Praktische Hygienetipps für zukünftige Erkältungs-Saisons
- Tragen Sie Lippenprodukte und Concealer möglichst mit einem sauberen Pinsel auf – nicht direkt aus der Hülse oder ausschließlich mit integrierten Applikatoren.
- Reinigen Sie Pinsel mindestens einmal pro Woche, bei Erkältung oder Herpes im Zweifel häufiger, vor allem jene, die an betroffenen Stellen verwendet wurden.
- Greifen Sie, wenn möglich, zu Pumpflaschen oder Spendern, die ohne direkten Hautkontakt auskommen.
- Gewöhnen Sie sich an, beim Schminken nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen, nachdem Sie die Nase geputzt haben.
- Bei ausgeprägtem Lippenherpes kann es sinnvoll sein, Make-up an der Lippe vorübergehend zu reduzieren, um die Haut nicht zusätzlich zu stressen.
Kurz zusammengefasst
- Produkte, die direkt und wiederholt mit einem aktiven Lippenherpes in Kontakt waren (Lippenstifte, Lipbalms, Applikator-Concealer für die Lippenregion), sollten Sie aus hygienischen Gründen eher ersetzen.
- Pinsel sind in den meisten Fällen durch gründliches Waschen gut zu retten und müssen nicht automatisch weggeworfen werden.
- Bei einer gewöhnlichen Erkältung bleiben die meisten Produkte bei normaler Hygiene weiter nutzbar – vor allem solche in Spendern, die nicht direkt an Schleimhäute gehalten werden.
- Wenn Sie unsicher sind, ist es oft vernünftiger, ein einzelnes Produkt zu tauschen, statt sich mit einem mulmigen Gefühl oder immer wiederkehrenden Reizungen herumzuplagen.