Sonnenschutz richtig dosieren: So viel brauchen Sie wirklich – und so oft Sie nachcremen sollten
Sonnenschutz gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um die Haut langfristig gesund zu halten – und ist gleichzeitig einer der meist unterschätzten Schritte. Viele tragen zu wenig auf oder cremen viel zu selten nach und fühlen sich dadurch besser geschützt, als sie es tatsächlich sind. In diesem Text lesen Sie, welche Mengen realistisch nötig sind, wie Sie diese im Alltag ohne Messbecher abschätzen können und in welchen Abständen Nachcremen wirklich sinnvoll ist.
Warum die richtige Menge Sonnenschutz entscheidend ist
Sonnenschutzmittel werden im Labor unter klar definierten Bedingungen getestet: Pro Quadratzentimeter Haut kommen 2 Milligramm Produkt zum Einsatz. Nur unter dieser Voraussetzung gilt der Lichtschutzfaktor, der auf der Verpackung steht.
Im Alltag passiert meist Folgendes:
- Es wird deutlich weniger aufgetragen, als in den Tests verwendet wird.
- Mit zu wenig Produkt sinkt der tatsächliche Schutz drastisch ab.
- Statt des angegebenen LSF erreicht man oft nur einen kleinen Teil der Schutzwirkung.
Dazu kommt: Schweiß, Reibung durch Kleidung, Baden oder das Abtrocknen mit dem Handtuch entfernen im Laufe des Tages einen Teil des Sonnenschutzes. Entscheidend ist also nicht nur die Anfangsmenge, sondern auch das konsequente Auffrischen – vor allem, wenn Sie länger draußen sind.
Wie viel Sonnenschutz braucht welche Körperpartie?
Damit Sie nicht in Milligramm und Quadratzentimetern denken müssen, haben sich einige einfache, alltagstaugliche Orientierungswerte etabliert.
Für das Gesicht (inklusive Ohren und Hals):
- Als Faustregel gelten zwei Fingerlängen:
Geben Sie Sonnenschutz auf Zeige- und Mittelfinger – von der Fingerkuppe bis zum ersten Fingerknöchel oder, je nach Textur und Gefühl auf der Haut, über die ganze Fingerlänge.
- Alternativ können Sie sich eine haselnuss- bis walnussgroße Menge merken.
Für den Körper:
Folgende Richtwerte haben sich bewährt:
- Jede Armseite: etwa 1–2 Fingerlängen
- Jede Beinseite (inkl. Fußrücken): etwa 3–4 Fingerlängen
- Brust und Bauch zusammen: etwa 3–4 Fingerlängen
- Rücken und Nacken zusammen: etwa 3–4 Fingerlängen
Wichtiger als die exakte Fingerzahl ist, dass die Haut wirklich flächig bedeckt ist. Wenn Sie unsicher sind: lieber etwas großzügiger auftragen als zu knapp.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Beim Sonnenschutz reichen kleine Nachlässigkeiten, um den Effekt deutlich zu schmälern. Häufige Fehler sind:
1. Zu wenig Produkt
Ein winziger Klecks für das ganze Gesicht ist schlicht zu wenig. Die Folge: Der reale Schutz liegt weit unter dem, was die Tube verspricht.
2. Bestimmte Bereiche werden vergessen
Klassische „Problemzonen“ sind: Ohren, Haaransatz, Nacken, Fußrücken, Hände, Lippen und die Region um die Augen. Gerade die werden aber oft zuerst rot.
3. Nur einmal am Tag cremen
Einmal morgens auftragen und dann den ganzen Tag draußen unterwegs sein – das reicht bei weitem nicht, insbesondere bei Sport, Gartenarbeit oder am Wasser.
4. Sich auf „wasserfest“ verlassen
„Wasserfest“ bedeutet lediglich, dass das Produkt etwas resistenter gegen Wasser ist. Ein Teil des Schutzfilms löst sich trotzdem, vor allem bei längerem Baden oder Abtrocknen mit dem Handtuch.
5. Auf Make-up mit LSF vertrauen
Foundation oder Tagescreme mit LSF werden meist so sparsam verwendet, dass der angegebene Schutz nie erreicht wird. Für sich genommen ersetzen sie keinen vollwertigen Sonnenschutz.
Alltagsnahe Tipps für ausreichendes Auftragen und richtiges Nachcremen
So tragen Sie Sonnenschutz im Gesicht sinnvoll auf:
- Gesicht reinigen und bei Bedarf eine leichte Pflege verwenden.
- Eine ausreichende Menge Sonnenschutz bereitstellen (zwei Fingerlängen bzw. haselnuss- bis walnussgroß).
- Das Produkt zunächst punktuell auf Stirn, Wangen, Nase, Kinn, Hals und Nacken verteilen.
- Anschließend sorgfältig einarbeiten – inklusive Ohren, Haaransatz, entlang des Kiefers und bis in den Nacken.
Wie oft sollten Sie nachcremen?
Im Alltag (überwiegend drinnen, kurze Wege draußen):
Morgens großzügig auftragen. Nachcremen ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie mehrere Stunden am Stück in der Sonne sind oder stark schwitzen.
Bei intensiver Sonne, Outdoor-Aktivitäten, am Strand oder in den Bergen:
Etwa alle 2 Stunden großzügig nachcremen.
Nach dem Baden, starkem Schwitzen oder Abtrocknen mit einem Handtuch: möglichst zeitnah erneut auftragen.
Wichtig dabei: Nachcremen erhöht nicht unbegrenzt die maximale Zeit, die Ihre Haut gefahrlos in der Sonne verbringen kann. Es sorgt aber dafür, dass der vorhandene Schutz aufrechterhalten wird, solange Sie der Sonne ausgesetzt sind.
Kurz zusammengefasst
Wirksamer Sonnenschutz hängt im Wesentlichen von zwei Punkten ab: von der richtigen Menge und vom konsequenten Nachcremen. Für das Gesicht brauchen Sie etwa zwei Fingerlängen Produkt, für den Körper entsprechend großzügige Mengen, sodass alle Bereiche gleichmäßig bedeckt sind. Im normalen Alltag reicht ein sorgfältiges Auftragen am Morgen oft aus. Sobald Sie länger im Freien sind, sich viel bewegen, am Wasser oder in den Bergen unterwegs sind, sollten Sie etwa alle zwei Stunden – und immer nach Wasser- oder Schweißkontakt – nachcremen. Damit geben Sie Ihrer Haut einen realistischen, alltagstauglichen Schutz vor UV-Strahlung.