Macht Make-up schlechte Haut noch schlechter? Was wirklich hinter dem Mythos steckt
Wer mit Unreinheiten oder Akne zu tun hat, kennt das Dilemma: abdecken oder lieber gar nichts auf die Haut lassen? Der Gedanke, Foundation über entzündeten Stellen zu verteilen, wirkt schnell falsch – als würde man „Dreck in die Poren drücken“. Ganz so simpel ist es aber nicht.
Im Folgenden geht es darum, wann Make-up Unreinheiten tatsächlich verschlimmern kann, wann nicht – und welche Stellschrauben im Alltag wirklich zählen.
Wenn Deckkraft auf Hautbalance trifft: Wie Make-up Ihre Haut wirklich beeinflusst
Ob Make-up Ihre Unreinheiten verstärkt, hängt weniger vom Akt des Schminkens ab, sondern von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
Zusammensetzung der Produkte
Einige Inhaltsstoffe können Poren verstopfen, die Haut reizen oder den ohnehin vorhandenen Fettfilm verstärken. Bei Haut, die zu Unreinheiten neigt, kann das neue Pickel oder Unterlagerungen begünstigen – vor allem bei sehr okklusiven, stark fettenden Formulierungen.
Hauttyp und Hautzustand
Eine fettige oder akneanfällige Haut reagiert oft empfindlicher auf schwere, wachsig-dichte Texturen als eine eher normale oder trockene Haut. Was bei einer Person problemlos funktioniert, kann bei einer anderen das Hautbild kippen lassen.
Auftragetechnik und Hygiene
Make-up, Hautpflege und Bakterien teilen sich schnell dieselbe Bühne: Pinsel, Schwämmchen oder ungewaschene Hände können Keime verteilen und so Entzündungen verschlimmern – selbst dann, wenn das Produkt an sich gut formuliert ist.
Abschmink-Routine
Foundation, Concealer, Talg, Schweiß, Feinstaub – alles zusammen bildet im Laufe des Tages einen Film auf der Haut. Wird der abends nicht gründlich, aber sanft entfernt, kann das die Poren verstopfen und Unreinheiten verstärken.
Make-up ist daher nicht per se „schlecht“ für unreine Haut. Problematisch wird es, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammentreffen: unpassende Produkte, schlampige Hygiene und eine schwache Reinigungsroutine.
Schritt für Schritt: So lässt sich Make-up auch bei Unreinheiten sinnvoll nutzen
Wer trotz Unreinheiten nicht auf Make-up verzichten möchte, muss das in der Regel auch nicht. Ein paar grundlegende Strategien helfen, die Haut möglichst wenig zu stressen:
Auf die Textur achten
Leichte, flüssige oder gelartige Formulierungen sind meist besser verträglich als extrem deckende, pastige Texturen, die sich wie eine Schicht auf die Haut legen.
Auf Inhaltsstoffe schauen
„Nicht komedogen“ ist kein Garant, aber ein hilfreicher Hinweis: Solche Produkte sind so konzipiert, dass sie tendenziell weniger zu verstopften Poren beitragen. Bei sehr sensibler Haut lohnt ein Blick auf Duftstoffe, Alkohol und reizende Zusätze.
Hautpflege nicht vergessen
Vor dem Schminken braucht die Haut eine Basis: milde Reinigung, eine passende Feuchtigkeitspflege und tagsüber Sonnenschutz. Make-up gehört auf gepflegte, nicht auf trockene, gespannte oder vernachlässigte Haut.
Selektiv statt Schicht um Schicht
Anstatt das gesamte Gesicht mit einer dicken Foundation-Lage zu bedecken, kann es sinnvoller sein, nur Rötungen und Pickel punktuell abzudecken und den Rest der Haut dünner zu schminken oder ganz frei zu lassen.
Abends konsequent abschminken
Make-up sollte jeden Abend gründlich, aber schonend entfernt werden – idealerweise zweistufig: zuerst ein Produkt, das Make-up löst (zum Beispiel Reinigungsöl oder -balsam), danach ein milder Reiniger, der Rückstände entfernt, ohne die Hautbarriere zu strapazieren.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie umgehen
Viele Probleme entstehen nicht durch das Make-up selbst, sondern durch den Umgang damit. Häufige Fehler sind:
Mit Make-up schlafen gehen
Über Nacht verbindet sich Make-up mit Talg, Schweiß und Hautschüppchen. Dieser Mix kann Poren verstopfen und Entzündungen erleichtern – gerade bei ohnehin unreiner Haut.
Pickel überdecken und ständig nachschminken
Wenn auf bereits geschminkte, entzündete Stellen immer wieder neue Schichten kommen, entsteht ein okklusiver Film. Die Haut bekommt wenig „Luft“ und Poren können sich leichter zusetzen.
Werkzeuge nie reinigen
Pinsel, Schwämmchen & Co. sind ideale Sammelplätze für Bakterien, Talg und Staub. Wenn sie selten oder gar nicht gereinigt werden, landet diese Mischung bei jeder Anwendung wieder im Gesicht.
Aggressiv reinigen, um „alles runterzubekommen“
Sehr starke Reiniger, Alkoholbomben oder grobes Rubbeln schwächen die Hautbarriere. Die Folge: Rötungen, Spannungsgefühle, trockene Stellen – und oft als Gegenreaktion eine erhöhte Talgproduktion, die Unreinheiten erneut begünstigen kann.
Erprobte Tipps: So unterstützen Sie eine ausgeglichene Haut trotz Make-up
- Pinsel & Tools regelmäßig waschen – je nach Nutzung etwa einmal pro Woche oder häufiger, insbesondere bei flüssigen Produkten.
- Auf Haltbarkeit achten – Produkte, die sich verändert haben (Geruch, Konsistenz, Farbe), aussortieren, vor allem flüssige Texturen und Mascara.
- Make-up-Pausen einlegen, wenn die Haut deutlich gereizt, stark entzündet oder angegriffen wirkt – gerade in Akutphasen kann weniger mehr sein.
- Nicht an Pickeln drücken, bevor Make-up aufgetragen wird: offene oder frisch manipulierte Stellen sind anfälliger für Reizungen und Entzündungen unter dem Produkt.
- Auf die Haut achten: Brennen, Jucken, starke Trockenheit oder neue Unreinheiten nach Einführung eines Produkts sind ernstzunehmende Signale, dass die Formulierung nicht optimal passt.
Kurz zusammengefasst
Make-up macht unreine oder zu Akne neigende Haut nicht automatisch schlechter. Es kann Unreinheiten aber verstärken, wenn Formulierungen nicht passen, Hygiene vernachlässigt wird oder die Reinigung am Abend zu kurz kommt. Mit geeigneten Produkten, einer stabilen Pflegeroutine und einem sparsamen, bewussten Einsatz von Foundation, Concealer & Co. lässt sich Make-up in vielen Fällen gut mit problematischer Haut vereinbaren.