Saubere Luft im Nagelstudio: Welche Regeln wirklich gelten
In Nagelstudios wird täglich gefeilt, gefräst, gereinigt und lackiert – direkt im Atembereich von Kundinnen und Mitarbeitenden. Feinstaub, Dämpfe und Lösemittel gehören dabei zum Alltag. Eine gute Lüftung und wirksame Staubabsaugung sind deshalb nicht nur Komfortfrage, sondern auch Pflicht.
Doch was genau ist vorgeschrieben – und worauf kommt es in der Praxis wirklich an, wenn Sie ein Studio betreiben oder dort regelmäßig arbeiten?
Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Grundsätze, die rechtlichen Leitlinien dahinter und konkrete Hinweise, wie sich das im Alltag vernünftig umsetzen lässt.
Warum Luftqualität im Nagelstudio mehr ist als „Frischluft“
In einem Nagelstudio treffen verschiedene Belastungen aufeinander:
Feinstaub durch Feilen und Fräsen, Dämpfe aus Lösemitteln, Haftvermittlern und Reinigern sowie typische Produktgerüche. Diese Mischung kann Atemwege reizen, Kopfschmerzen begünstigen und empfindliche Haut oder Augen belasten – besonders dann, wenn regelmäßig und über längere Zeit damit gearbeitet wird.
Im deutschsprachigen Raum greifen dafür in der Regel allgemeine Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzvorschriften. Typische Inhalte sind etwa:
- Vorgaben zur Luftqualität am Arbeitsplatz
- Grenzwerte für bestimmte Stoffe (z. B. Bestandteile von Lösemitteln)
- Anforderungen an technische Lüftung in Arbeitsräumen
- Pflichten zur Gefährdungsbeurteilung und zu daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen
Der gemeinsame Nenner dieser Regelwerke: Belastungen sollen so weit wie möglich reduziert werden. Vorrang haben dabei technische und organisatorische Lösungen – also Lüftung, Absaugung und Arbeitsorganisation – vor rein persönlichem Schutz wie Maske oder Handschuhen.
Wie Sie Lüftung und Staubabsaugung sinnvoll organisieren
In der Praxis kommt selten eine einzelne Maßnahme aus. Meist ist eine Kombination verschiedener Elemente sinnvoll – und wird von Behörden auch so erwartet oder zumindest nahegelegt:
Ausreichender Luftaustausch
Arbeitsräume müssen regelmäßig mit Frischluft versorgt werden. Das kann über Fensterlüftung oder eine Raumlüftungsanlage geschehen. Entscheidend ist ein spürbarer Luftwechsel, nicht nur ein ständig gekipptes Fenster ohne echten Durchzug.
Absaugung direkt an der Quelle
Feil- und Frässtaub sollte dort erfasst werden, wo er entsteht: unmittelbar am Nageltisch oder direkt am Gerät. Je näher die Absaugung am Entstehungsort sitzt, desto weniger Staub gelangt in den Raum.
Getrennte Erfassung von Staub und Dämpfen
Staub und Dämpfe verhalten sich physikalisch unterschiedlich. Feinstaub lässt sich gezielt über Tisch- oder Punktabsaugungen erfassen. Lösemitteldämpfe werden eher über eine gute Raumlüftung und ausreichenden Luftwechsel verringert. Eine Lösung „für alles“ ist hier selten optimal.
Regelmäßige Wartung
Filter von Absauganlagen, Tischgeräten und Lüftungssystemen müssen entsprechend den Herstellerangaben kontrolliert und rechtzeitig gewechselt werden. Nur dann bleibt die tatsächliche Schutzwirkung erhalten.
Dokumentation in der Gefährdungsbeurteilung
Studioinhaberinnen und -inhaber sind in vielen Ländern verpflichtet, Gefährdungen zu ermitteln und Schutzmaßnahmen schriftlich festzuhalten. Lüftung, Absaugung und deren Wartung sind ein fester Bestandteil dieser Gefährdungsbeurteilung.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
In vielen Studios scheitert es weniger an der Technik selbst, sondern an Kleinigkeiten im Alltag. Typische Fehlerquellen:
Nur gekippte Fenster
Ein dauerhaft gekipptes Fenster vermittelt „Frischluftgefühl“, sorgt aber oft nicht für genügend Luftwechsel. Deutlich wirksamer ist mehrmals tägliches Stoßlüften oder eben eine geeignete Lüftungsanlage.
Absaugung zu weit entfernt
Steht die Absaugdüse weit vom Arbeitsbereich entfernt – etwa am Rand des Tisches – wird der Feinstaub kaum erfasst. Er verteilt sich im Raum, setzt sich auf Flächen ab und wird mit jedem Schritt wieder aufgewirbelt.
Überfüllte oder zugesetzte Filter
Werden Filter nicht rechtzeitig gereinigt oder ausgetauscht, sinkt die Luftleistung, während der Widerstand steigt. Die Anlage klingt zwar „aktiv“, wirkt aber kaum noch.
Unklare Zuständigkeiten
Wenn niemand konkret verantwortlich ist, bleibt die Wartung gern liegen. Die Absaugung läuft dann nur noch „der Form halber“. Feste Zuständigkeiten und einfache Checklisten helfen, das zu vermeiden.
Praxisnahe Empfehlungen für ein besseres Raumklima
Auch ohne sich auf bestimmte Produkte festzulegen, lässt sich viel verbessern – und gleichzeitig den gesetzlichen Anforderungen näherkommen:
- Planen Sie pro Arbeitsplatz eine gezielte Staubabsaugung ein, idealerweise direkt am Handauflagebereich der Kundin.
- Kombinieren Sie lokale Absaugung mit einer verlässlichen Grundlüftung – über regelmäßig organisierte Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage mit passendem Luftwechsel.
- Gestalten Sie den Raum so, dass Luftströme nicht direkt von hinten nach vorne durch den Atembereich der Mitarbeitenden ziehen, sondern seitlich oder von oben geführt werden.
- Legen Sie klare Reinigungs- und Wartungspläne für Filter, Absaugungen und Lüftungssysteme fest – mit nachvollziehbaren Intervallen und dokumentierten Kontrollen.
- Schulen Sie das Team regelmäßig zur korrekten Positionierung und Nutzung der Absaugung sowie zu grundlegender Arbeitshygiene.
- Nehmen Sie Hinweise aus dem Alltag ernst: Häufen sich Beschwerden wie trockene Augen, Kratzen im Hals oder Kopfschmerzen, ist das ein Signal, Lüftung und Absaugung kritisch zu prüfen.
Kurz zusammengefasst
Für Nagelstudios gelten klare Anforderungen aus Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz. Im Zentrum stehen Feinstaub und Dämpfe, die soweit wie möglich reduziert werden sollen. Entscheidend sind:
- ein ausreichender Luftaustausch,
- eine wirksame Absaugung direkt am Arbeitsplatz,
- die regelmäßige Wartung aller Anlagen,
- sowie eine nachvollziehbare, schriftliche Gefährdungsbeurteilung.
Wer diese Punkte nicht als lästige Pflicht, sondern als Teil eines professionellen Studio-Standards versteht, schützt nicht nur Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, sondern verbessert auch spürbar die Atmosphäre im Studio.