Klare Linien, gesunde Augen: So schminken Sie Eyeliner und Kajal ohne Reizungen
Augen-Make-up soll den Blick öffnen, nicht die Bindehaut. Trotzdem kennen viele das Ergebnis nach dem Schminken: gerötete Augen, Brennen, im schlimmsten Fall eine Bindehautentzündung. Gerade empfindliche Augen reagieren schnell – auf Inhaltsstoffe, aber auch auf die Art, wie das Make-up aufgetragen wird.
Im Folgenden lesen Sie, worauf Sie bei Produkten und Technik achten sollten, wie Sie Reizungen vorbeugen und welche Gewohnheiten auf den Prüfstand gehören.
Warum Eyeliner und Kajal die Augen reizen können
Die Haut rund ums Auge ist besonders dünn, die Schleimhäute sind sensibel, und der Tränenfilm reagiert schnell auf Störungen. Entsprechend wenig braucht es, um die Augen aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Zu den typischen Auslösern gehören:
Kontakt mit der Bindehaut:
Gelangt Farbe zu nah an oder direkt auf die Bindehaut, kann sie die Schleimhaut reizen.
Bestandteile im Produkt:
Konservierungsmittel, Duftstoffe, bestimmte Farbpigmente oder Bindemittel können bei empfindlichen Menschen Irritationen oder allergische Reaktionen auslösen.
Keime in alten Produkten:
In häufig geöffneten, lange genutzten Eyelinern und Kajalstiften können sich Bakterien oder Pilze ansiedeln – vor allem, wenn sie ungeschützt in Kosmetiktaschen herumfliegen.
Mechanische Reizung:
Zu viel Druck, harte oder schlecht angespitzte Stifte und bröselige Texturen scheuern an Lidkante und Wimpernkranz. Das kann die Haut reizen und kleinste Verletzungen verursachen.
Vorerkrankungen:
Menschen mit trockenen Augen, Allergien oder Hauterkrankungen wie Rosazea oder Neurodermitis im Gesicht sind oft deutlich empfindlicher gegenüber Augen-Make-up.
Das Ziel: Produkte wählen, die gut vertragen werden – und sie so auftragen, dass Auge und Lid möglichst wenig belastet werden.
So tragen Sie Eyeliner und Kajal augenschonend auf
Mit einer schonenden Technik sinkt die Wahrscheinlichkeit für Reizungen deutlich.
Nicht auf die Wasserlinie schminken:
Die Wasserlinie liegt direkt an der Bindehaut und an den Meibom-Drüsen, die die Fettschicht des Tränenfilms produzieren. Wird sie mit Farbe überzogen, kann das den Tränenfilm verändern und die Schleimhaut reizen.
Besser: den Lidstrich knapp oberhalb der oberen Wimpern oder unterhalb der unteren Wimpern setzen – nahe am Wimpernkranz, aber nicht im feuchten Bereich.
Sanften Druck verwenden:
Der Stift soll über die Haut gleiten, nicht über sie „kratzen“. Ein gut, aber nicht nadelspitz angespitzter Kajal oder eine cremige Textur reduziert die Reibung und damit die mechanische Belastung.
Nur auf sauberer Haut arbeiten:
Talg, Schmutz und alte Make-up-Reste sind ein Nährboden für Keime. Reinigen Sie die Augenpartie vor dem Schminken gründlich, aber schonend.
Keine „Pump“-Bewegungen bei flüssigem Eyeliner:
Das wiederholte Hoch- und Runterziehen des Applikators presst Luft – und damit Keime – ins Produkt. Besser: einmal öffnen, Produkt entnehmen, wieder schließen.
Kontakt mit dem Auge vermeiden:
Applikator und Stift sollten weder die Bindehaut noch das Auge selbst berühren. Passiert es doch, lohnt sich – sofern möglich – eine Reinigung des Applikators und ein kritischer Blick auf die weitere Nutzung.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Viele Probleme entstehen nicht durch „falsches“ Produkt, sondern durch ungünstige Gewohnheiten.
Alte oder veränderte Produkte weiterverwenden
Eyeliner und Kajal haben ein Verfallsdatum. Spätestens wenn sich Geruch, Farbe oder Konsistenz ändern, ist das ein klares Signal zum Entsorgen – auch wenn noch „genug drin“ ist.
Eyeliner und Kajal mit anderen teilen
Gemeinsame Nutzung begünstigt die Übertragung von Keimen, insbesondere nach oder während einer Augenentzündung. Was an die Lidkante kommt, ist besser persönliches Eigentum.
Abends nicht gründlich abschminken
Make-up-Reste am Wimpernkranz können im Schlaf ins Auge gelangen, die Schleimhaut reizen und Entzündungen begünstigen. Rückstände von mehreren Tagen schichten sich zudem auf – die Belastung für die Haut steigt.
Schminken bei akuter Reizung oder Entzündung
Rote, brennende, stark tränende Augen sollten pausieren. Make-up kann Keime zusätzlich verteilen und die Heilung verzögern. In dieser Phase lieber komplett auf Augen-Make-up verzichten.
Bewährte Praxistipps für ein verträgliches Augen-Make-up
Mit ein paar konsequent eingehaltenen Schritten lassen sich viele Probleme vermeiden.
Auf Inhaltsstoffe achten
Wer zu Allergien oder empfindlichen Augen neigt, fährt mit reduzierten, parfumfreien Formulierungen oft besser. Neue Produkte zunächst sparsam am äußeren Lidrand testen und beobachten, wie die Haut reagiert.
Stifte regelmäßig anspitzen
Beim Anspitzen wird die äußerste Schicht entfernt, auf der sich Keime sammeln können. Wichtig: einen sauberen, möglichst geschlossenen Anspitzer verwenden und diesen gelegentlich reinigen.
Augen-Make-up täglich vollständig entfernen
Verwenden Sie milde, für den Augenbereich geeignete Produkte. Ohne starkes Rubbeln arbeiten – besser sanft auflegen, kurz einwirken lassen und dann abziehen. Wattepads oder Tücher sollten sauber und möglichst fusselfrei sein.
Bei Kontaktlinsen besonders sorgfältig sein
Eyeliner und Kajal möglichst nach dem Einsetzen der Linsen auftragen und vor dem Herausnehmen wieder entfernen. So verringern Sie das Risiko, dass Partikel an den Linsen haften und später im Auge scheuern.
Bei wiederkehrenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen
Wenn Ihre Augen immer wieder auf Make-up reagieren, lohnt sich eine augenärztliche Abklärung. Gegebenenfalls können auch Allergietests helfen, problematische Inhaltsstoffe zu identifizieren.
Kurz zusammengefasst
Eyeliner und Kajal müssen keine Bindehautentzündung nach sich ziehen – aber sie werden sehr nah an einem empfindlichen Bereich verwendet. Entscheidend sind: passende, möglichst gut verträgliche Produkte, eine saubere und schonende Auftragetechnik, sorgfältige Hygiene und konsequentes Abschminken.
Beobachten Sie, was Ihre Augen gut mitmachen und was nicht. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden gehört das Thema in ärztliche Hände – nicht in die Schminktasche.