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Wie kann ich bei Hautpflegeprodukten abwägen, ob synthetische oder natürliche Inhaltsstoffe aus ökologischer und ethischer Sicht besser sind?

Synthetisch oder natürlich? Wie Sie Inhaltsstoffe aus ethischer und ökologischer Sicht besser einordnen

Die Frage, ob synthetische oder natürliche Inhaltsstoffe in der Hautpflege „besser“ sind, klingt simpel. Sie ist es nicht. Hinter jedem Wirkstoff steckt eine Lieferkette, ein bestimmter Umgang mit Ressourcen – und häufig auch eine ethische Dimension. In diesem Artikel geht es darum, welche Faktoren tatsächlich ins Gewicht fallen, woran Sie sich orientieren können und warum „natürlich“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „nachhaltig“ ist.


Was hinter „natürlich“ und „synthetisch“ wirklich steckt

„Natürlich“ wird oft mit „sanft“ und „nachhaltig“ gleichgesetzt, „synthetisch“ mit „chemisch“ und „bedenklich“. Beides ist verkürzt.

Natürliche Inhaltsstoffe stammen aus Pflanzen, Mineralien oder tierischen Quellen. Sie können:

  • im Anbau sehr ressourcenhungrig sein (Wasser, Fläche, Dünger)
  • lange Transportwege hinter sich haben
  • unter problematischen Arbeitsbedingungen gewonnen werden
  • Allergien begünstigen, etwa wenn sie viele Duftstoffe enthalten

Synthetische Inhaltsstoffe entstehen im Labor. Das kann:

  • den Druck auf knappe natürliche Ressourcen verringern
  • gleichbleibende Qualität und hohe Verträglichkeit ermöglichen
  • aber auch viel Energie verbrauchen und auf Erdöl-basierten Rohstoffen beruhen

Entscheidend sind daher nicht „natürlich“ oder „synthetisch“ als Etikett, sondern das Gesamtbild: Rohstoffquelle, Herstellungsprozesse, Transport, Arbeitsbedingungen und am Ende auch die Entsorgung.


So gehen Sie Schritt für Schritt zu einer fundierten Entscheidung

Statt auf das Schlagwort „natürlich“ oder „synthetisch“ zu reagieren, lohnt sich ein Blick auf einige Kernfragen:

  1. Rohstoffherkunft

    • Stammt der Inhaltsstoff aus seltenen Pflanzen oder Tierquellen?
    • Gibt es Hinweise auf Übernutzung oder Tierschutzprobleme?
  2. Ressourcenverbrauch

    • Ist der Wirkstoff im Anbau besonders wasser- oder flächenintensiv?
    • Könnte eine synthetische Alternative Naturressourcen schonen?
  3. Transport und Lieferkette

    • Müssen exotische Pflanzen über große Distanzen transportiert werden?
    • Finden sich Informationen zu fairen Arbeitsbedingungen in Anbau- oder Produktionsländern?
  4. Umweltbelastung während der Nutzung

    • Wird der Stoff in größeren Mengen ins Abwasser gespült (z. B. durch Abwaschprodukte)?
    • Ist bekannt, dass er schwer abbaubar ist oder sich in der Umwelt anreichert?
  5. Verträglichkeit und Sicherheit

    • Liegen Bewertungen anerkannter Fachinstitutionen zur Sicherheit vor?
    • Gibt es bekannte Allergierisiken, etwa bei bestimmten Duftstoffen oder ätherischen Ölen?

Mit diesen Fragen kommen Sie weg von reinen Imageurteilen und hin zu einer nachvollziehbaren Abwägung.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

1. „Natürlich“ automatisch als „besser“ werten
Pflanzliche Inhaltsstoffe können Monokulturen fördern, enorme Wassermengen verschlingen oder aus Regionen mit problematischen Arbeitsverhältnissen stammen. Wenn möglich, lohnt ein Blick auf Herkunft und Kontext statt nur auf das Label „pflanzlich“.

2. Synthetische Stoffe pauschal ablehnen
Viele synthetische Wirkstoffe wurden gezielt entwickelt, um seltene Naturstoffe oder tierische Rohstoffe zu ersetzen. In solchen Fällen kann die laborgestützte Variante ökologisch und ethisch die vernünftigere Wahl sein.

3. Sich nur an einzelnen „bösen“ Stoffen festbeißen
Pauschale Negativlisten blenden oft wichtige Faktoren aus: die Gesamtformulierung, die eingesetzte Menge und die tatsächliche Datenlage. Sinnvoller ist ein Blick aufs Gesamtprodukt und auf seriöse Bewertungen statt auf Angstbegriffe.

4. Verpackung und eigenen Verbrauch ausblenden
Das beste Inhaltsstoffkonzept verliert an Wirkung, wenn die Verpackung unnötig groß, schlecht recycelbar oder das Produkt so umfangreich gekauft wird, dass es halbvoll entsorgt wird. Nutzungsmuster und Verpackung sind Teil der Umweltbilanz.


Praktische Orientierung für ethisch und ökologisch bewusste Entscheidungen

  • Auf Transparenz achten
    Bevorzugen Sie Marken, die nachvollziehbar darlegen, woher Rohstoffe stammen, wie produziert wird und wie sie Umwelt- und Tierschutz umsetzen. Konkrete Angaben sind wertvoller als vage Versprechen.

  • Zertifizierungen als grobe Orientierung nutzen
    Umwelt- oder Ethiksiegel ersetzen nicht die eigene Urteilsbildung, bieten aber eine erste Filterfunktion – gerade, wenn Sie sich nicht in jede Detailfrage einarbeiten möchten.

  • Eher einfache Formulierungen wählen
    Produkte mit überschaubarer, gut etablierter Inhaltsstoffliste lassen sich meist besser einschätzen als sehr komplexe Mischungen mit vielen Trendwirkstoffen.

  • Vom Bedarf ausgehen, nicht vom Hype
    Fragen Sie sich, was Ihre Haut wirklich braucht. Jeder vermiedene Impulskauf reduziert Ressourcenverbrauch – ganz unabhängig davon, ob ein Produkt „natürlich“ beworben wird.

  • Langfristig denken
    Ein verträgliches, wirksames Produkt, das Sie konsequent nutzen, ist am Ende nachhaltiger als eine Folge von Trendkäufen, die nach wenigen Anwendungen im Regal verschwinden.


Kurz zusammengefasst

Ob ein Hautpflegeprodukt ökologisch und ethisch „besser“ ist, entscheidet sich nicht daran, ob seine Inhaltsstoffe natürlich oder synthetisch sind. Maßgeblich ist das Zusammenspiel aus Rohstoffquelle, Herstellungsweise, Umweltwirkung, Tierschutz und sozialer Verantwortung. Wenn Sie auf nachvollziehbare Informationen, geprüfte Sicherheit und einen insgesamt maßvollen Konsum achten, treffen Sie in der Regel tragfähigere Entscheidungen als mit der einfachen Formel „natürlich gut, synthetisch schlecht“.


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