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Sind natürliche oder „clean“ deklarierte Produkte automatisch besser für unreine Haut?

Naturkosmetik vs. „Clean Beauty“: Was hilft unreiner Haut wirklich?

Wer mit Unreinheiten kämpft, landet früher oder später bei „natürlicher“ oder „cleaner“ Kosmetik. Die Versprechen dahinter klingen verlockend: sanft, gesund, „ohne Chemie“. Die Erwartung: Wenn das Produkt natürlich ist, muss es der Haut doch guttun. So einfach ist es leider nicht.

Im Folgenden geht es darum, was hinter diesen Begriffen wirklich steckt, welche Inhaltsstoffe bei unreiner Haut tatsächlich etwas bewirken – und woran Sie erkennen, ob ein Produkt zu Ihrer Haut passt oder nicht.


Was „natürlich“ und „clean“ in der Kosmetik tatsächlich bedeuten

Die Begriffe „natürlich“ und „clean“ klingen eindeutig, sind rechtlich aber kaum geregelt.

  • „Natürlich“ wird in der Regel verwendet, wenn ein größerer Anteil der Inhaltsstoffe pflanzlichen oder mineralischen Ursprungs ist.
  • „Clean“ bedeutet meist: bestimmte Stoffe werden bewusst weggelassen – oft bestimmte Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Silikone oder PEGs. Welche Inhaltsstoffe das genau sind, legt jedoch jeder Hersteller nach eigenen Kriterien fest.

Entscheidend ist:
Weder „natürlich“ noch „clean“ sagt automatisch etwas darüber aus, ob ein Produkt für unreine Haut geeignet ist. Ob eine Pflege tatsächlich hilft, hängt vor allem ab von:

  • der Formulierung als Ganzes
  • der Konzentration der wirksamen Inhaltsstoffe
  • dem pH-Wert
  • Ihrer individuellen Hautreaktion

Der Begriff auf der Vorderseite der Verpackung ist am Ende deutlich weniger wichtig als die Rückseite mit der INCI-Liste.


Was unreine Haut wirklich braucht

Unreine Haut entsteht meist durch ein Zusammenspiel aus übermäßiger Talgproduktion, verstopften Poren, Bakterien und entzündlichen Prozessen. Für die Hautpflege heißt das: Andere Kriterien sind entscheidender als das Label „natürlich“ oder „clean“.

Worauf es eher ankommt:

  • Sanfte, aber wirksame Reinigung
    Die Haut sollte von Talg, Schweiß und Sonnencreme befreit werden, ohne dabei auszutrocknen oder zu stark zu entfetten.

  • Nicht-komedogene Formulierungen
    Produkte, die die Poren möglichst nicht verstopfen, sind im Vorteil – unabhängig davon, ob die Inhaltsstoffe pflanzlich oder synthetisch sind.

  • Ausgleichende Wirkstoffe
    Hilfreich sind Stoffe, die

    • die Talgproduktion regulieren,
    • die verhornten Zellen an der Oberfläche sanft lösen,
    • Entzündungen beruhigen und
    • die Feuchtigkeitsspeicher der Haut stützen.
      Das können milde Säuren (z. B. BHA/AHA in sinnvoller Dosierung), bestimmte Feuchthaltemittel oder beruhigende Pflanzenextrakte sein.
  • Leichte, stabile Texturen
    Fluids, Lotionen oder Gele funktionieren bei unreiner Haut oft besser als sehr reichhaltige, stark okklusive Cremes.

Ein Naturkosmetikprodukt kann das leisten – muss es aber nicht. Umgekehrt kann ein konventionelles Produkt mit „unspektakulärer“ Verpackung genau das bieten, was Ihre Haut braucht.


Häufige Denkfehler: Wenn „natürlich“ zur Falle wird

Wer mit Naturkosmetik experimentiert, tappst bei unreiner Haut oft in ähnliche Fallen:

  • „Pflanzlich = automatisch verträglich“
    Pflanzliche Stoffe sind nicht per se sanft. Ätherische Öle, natürliche Duftstoffe oder hochdosierte Pflanzenextrakte können irritieren oder sensibilisieren – besonders auf bereits entzündlicher, angegriffener Haut.

  • Zu aggressive „natürliche“ Reinigung
    Stark entfettende, alkalische oder sehr schäumende Produkte – auch wenn sie auf Naturbasis sind – können die Haut austrocknen. Das kann die Talgproduktion ankurbeln und die Unreinheiten eher verstärken als reduzieren.

  • DIY-Experimente ohne Hautwissen
    Zitronensaft, Essig, Backpulver, Zuckerpeelings, hochkonzentrierte ätherische Öle: Vieles davon kursiert als „natürlicher Geheimtipp“, kann aber die Hautbarriere massiv stören und Entzündungen verschlimmern.

  • Blindes Vertrauen in Labels
    Begriffe wie „clean“, „pur“, „free from“ oder „natural“ wirken vertrauenerweckend. Sie sagen aber nichts darüber, ob die für unreine Haut wichtigen Wirkstoffe überhaupt enthalten sind – geschweige denn in einer wirksamen Konzentration.


Praktische Orientierung: So wählen Sie Produkte für unreine Haut aus

Statt sich von Marketingbegriffen leiten zu lassen, ist es sinnvoller, in kleinen Schritten systematisch auszuwählen.

  • Hauttyp und aktuellen Zustand unterscheiden
    „Unrein“ ist kein Hauttyp, sondern ein Zustand. Sie können gleichzeitig

    • ölig und feuchtigkeitsarm,
    • sensibel und zu Unterlagerungen neigend
    • oder eher trocken mit einzelnen Entzündungen sein.
      Textur und Pflegeintensität sollten zu dieser Kombination passen, nicht nur zum Etikett „gegen Pickel“.
  • INCI-Liste anschauen, nicht nur Claims
    Achten Sie u. a. auf:

    • milde Tenside in Reinigern (z. B. Coco-Glucoside, Decyl Glucoside, milde Sulfate in moderater Konzentration),
    • Feuchthaltemittel wie Glycerin, Hyaluronsäure-Derivate, Urea in niedriger Dosierung,
    • sanfte Peelingsäuren (BHA, AHA, PHA) in sinnvoller Konzentration und pH-angepassten Formulierungen,
    • beruhigende Bestandteile wie Panthenol, Madecassoside, bestimmte Pflanzenextrakte oder Zucker-/Aminosäureverbindungen.
  • Schrittweise umstellen statt alles auf einmal tauschen
    Führen Sie jeweils nur ein neues Produkt ein und testen Sie es über einige Wochen. Sonst lässt sich kaum erkennen, worauf Ihre Haut positiv oder negativ reagiert.

  • Auf das unmittelbare und das verzögerte Hautgefühl achten
    Brennen, starke Rötungen, Spannen, vermehrte Schuppung oder eine sichtbar angegriffene Hautbarriere sind Warnzeichen – unabhängig davon, ob das Produkt „natürlich“, „clean“ oder konventionell ist.


Kurz zusammengefasst

Ob ein Produkt als „natürlich“ oder „clean“ vermarktet wird, sagt wenig darüber aus, ob es bei unreiner Haut sinnvoll ist. Entscheidend sind:

  • Wie ist das Produkt formuliert?
  • Welche Wirkstoffe sind enthalten – und in welcher Konzentration?
  • Wie reagiert Ihre Haut konkret darauf?

Unreine Haut profitiert in erster Linie von sanfter Reinigung, nicht-komedogenen Formulierungen, ausgleichenden Wirkstoffen und einer Pflege, die die Hautbarriere respektiert. Ob die Inhaltsstoffe pflanzlichen oder synthetischen Ursprungs sind, ist zweitrangig – entscheidend ist, dass sie für Ihre Haut funktionieren.


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