Telefon 0662 / 26126083
Welche Auswirkungen haben Mikroplastik und synthetische Polymere in Kosmetik auf Umwelt und Gewässer?

Unsichtbare Partikel, große Wirkung: Mikroplastik in Kosmetik und seine Folgen für Umwelt und Gewässer

Kosmetik soll pflegen, verschönern und den Alltag angenehmer machen. Gleichzeitig steckt in vielen Produkten etwas, das man nicht sieht, aber in der Umwelt lange präsent bleibt: Mikroplastik und bestimmte synthetische Polymere. Sie verlassen das Badezimmer nicht im Müll, sondern mit dem Abwasser – und landen so in Flüssen, Seen und Meeren. Im Folgenden geht es darum, was genau dahintersteckt, welche Folgen diese Stoffe haben und worauf Sie im Alltag achten können.


Was sich hinter Mikroplastik und synthetischen Polymeren wirklich verbirgt

Mikroplastik bezeichnet feste, unlösliche Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 5 Millimetern. In Kosmetik dienen sie etwa als Peelingkörnchen, Schleifkörper oder um Texturen glatter, glänzender oder „luxuriöser“ wirken zu lassen. Diese Partikel lösen sich nicht auf – sie bleiben Kunststoff.

Synthetische Polymere sind ebenfalls Kunststoffe, bestehen aber aus sehr langen Molekülketten. In Kosmetika kommen sie unter anderem als Filmbildner, Verdicker, Stabilisatoren oder für ein angenehmeres Hautgefühl zum Einsatz. Sie können als feste Partikel, in gelartiger Form oder als wasserlösliche Bestandteile vorliegen.

Aus Umweltsicht ist entscheidend:

  • Feste Mikroplastikpartikel verbleiben als Plastik in der Umwelt.
  • Viele synthetische Polymere sind so konstruiert, dass sie besonders beständig sind – ihr Abbau verläuft entsprechend langsam oder nur unvollständig.

Beide Stoffgruppen gelangen nach der Anwendung über das Abwasser in die Kläranlage. Dort werden sie je nach Größe, Form und chemischer Eigenschaft teilweise zurückgehalten, aber eben nicht vollständig. Ein Anteil passiert die Reinigungsstufen und wird mit dem Ablaufwasser weitertransportiert.


Vom Waschbecken ins Meer: Wie die Partikel in Gewässer gelangen

Mikroplastik aus Kosmetik wird in aller Regel unmittelbar nach der Anwendung in den Abfluss gespült – beim Duschen, Abschminken oder Händewaschen. Kläranlagen sind darauf ausgelegt, organische Belastungen und Nährstoffe zu reduzieren, nicht aber speziell jede Form von Mikroplastik oder jeden gelösten Kunststoff zu eliminieren.

Gröbere Partikel und ein Teil der Polymere werden im Klärschlamm gebunden. Sehr kleine Partikel und gelöste oder kolloidal verteilte Polymere lassen sich jedoch technisch nur begrenzt entfernen. Sie gelangen mit dem „gereinigten“ Abwasser in Flüsse und Seen und von dort weiter in Küstengebiete und Ozeane.

Die Folge:

  • Mikroplastik lässt sich in Süßwasser- wie Meeresökosystemen nachweisen.
  • Es kann sich dauerhaft in Sedimenten ablagern.
  • Kleinstorganismen, Fische oder andere Tiere nehmen die Partikel auf, teils weil sie sie für Nahrung halten.

Die kosmetikbedingten Einträge sind nur ein Baustein des Gesamtproblems. Ein deutlich größerer Teil stammt etwa von Reifenabrieb, synthetischen Textilfasern oder zerfallendem Verpackungsmüll. Dennoch ist auch Kosmetik eine messbare Quelle – vor allem, weil diese Einträge direkt, täglich und ohne Zwischenschritt in den Wasserkreislauf gehen.


Häufig unterschätzt: Wo die typischen Denkfehler liegen

Rund um Mikroplastik in Kosmetik kursieren einige verkürzte Vorstellungen, die die Dimension des Problems verdecken:

  • „Das ist so wenig, das kann nicht schaden.“
    Ein einzelnes Produkt enthält meist nur geringe Mengen. Rechnet man aber über Jahre, viele Anwendungen und Millionen Nutzerinnen und Nutzer, ergeben sich relevante Gesamteinträge in die Umwelt. Umweltprobleme entstehen selten durch einen Einzelfall, sondern durch die Summe.

  • „Wenn das Produkt flüssig ist, ist kein Plastik drin.“
    Plastik muss nicht als Kügelchen sichtbar sein. Auch flüssige oder gelartige Polymere sind Kunststoffe – sie liegen nur anders vor. Die Abgrenzung ist chemisch, nicht optisch.

  • „Kläranlagen filtern doch alles raus.“
    Klärwerke reduzieren die Belastung deutlich, aber sie sind kein vollständiger Schutzwall. Insbesondere sehr kleine Partikel und gelöste Polymere lassen sich nicht vollständig entfernen. „Gereinigt“ heißt nicht „frei von Mikroplastik“.

  • „Biologisch abbaubar heißt automatisch unbedenklich.“
    Der Begriff „abbaubar“ sagt zunächst wenig aus: Unter welchen Bedingungen? In welchem Zeitraum? Vollständig oder nur teilweise? Vieles, was im Labor unter optimalen Bedingungen abgebaut wird, verhält sich in kalten, sauerstoffarmen oder nährstoffarmen Gewässern deutlich hartnäckiger.


Bewusster einkaufen: Was Sie konkret tun können

Man muss nicht Chemie studiert haben, um beim Einkauf etwas zu verändern. Einige Hebel sind vergleichsweise einfach zu bedienen:

  • INCI-Liste kritisch lesen
    Auf der Inhaltsstoffliste (INCI) weisen Begriffe wie „…-polymer“, „…-acrylate“, „polyethylene“, „polypropylene“ oder „polyquaternium“ auf Kunststoffe hin. Nicht jeder dieser Stoffe ist automatisch Mikroplastik, aber sie markieren Formulierungen, die in der Umwelt zumindest genauer betrachtet werden sollten.

  • Peelings und Produkte mit sichtbaren Kügelchen prüfen
    Klassische mechanische Peelings mit Kunststoffkörnchen lassen sich gut durch Produkte mit natürlichen Schleifstoffen (z. B. gemahlene Nussschalen, Salz, Zucker, Tonerde) ersetzen. Viele Marken haben ihre Rezepturen bereits umgestellt – ein Blick auf die Verpackung lohnt sich.

  • Weniger Schichten, weniger Produkte
    Je mehr Produkte täglich zum Einsatz kommen, desto mehr unterschiedliche Stoffe gelangen ins Abwasser. Eine reduzierte Routine – etwa statt fünf Schritten drei – schont nicht nur die Hautbarriere, sondern auch die Umweltbilanz.

  • Informationen aus verlässlichen Quellen nutzen
    Umweltbehörden, Verbraucherzentralen und unabhängige Forschungseinrichtungen veröffentlichen regelmäßig Bewertungen zu Mikroplastik und Kunststoffen in Kosmetik. Diese Informationen helfen, Marketingversprechen einzuordnen und echte Fortschritte von bloßem „Greenwashing“ zu unterscheiden.


Kurz zusammengefasst

Mikroplastik und bestimmte synthetische Polymere in Kosmetik sind so konzipiert, dass sie stabil, haltbar und formulierungstreu bleiben. Genau diese Eigenschaft wird zum Problem, wenn sie ungebremst in die Umwelt gelangen: Über das Abwasser erreichen sie Gewässer, lagern sich in Sedimenten ab und können von Organismen aufgenommen werden. Kosmetik ist nur eine von mehreren Quellen, trägt aber nachweisbar zur Gesamtbelastung bei. Wer Produkte bewusster auswählt und auf spezifische Inhaltsstoffe achtet, senkt seinen persönlichen Anteil – ein kleiner, aber konkreter Beitrag zum Schutz von Gewässern.


Ähnliche Fragen