Duft mit System: Wie Allergene im Parfum erkannt und berücksichtigt werden
Parfums wirken spontan sinnlich und emotional – im Hintergrund läuft jedoch ein klar strukturiertes, streng reguliertes System. Ein zentraler Punkt darin: der Umgang mit Duftallergenen. Sie sollen für Transparenz sorgen und helfen, das Risiko für empfindliche Haut zu begrenzen. Im Folgenden geht es darum, wie Allergene in Parfums identifiziert werden, welche Rolle sie in der Rezeptur spielen – und was das für Sie als Anwenderin oder Anwender praktisch bedeutet.
Was Duftallergene eigentlich sind – und warum sie reguliert werden
Ein Parfum ist kein einzelner Duftstoff, sondern eine Mischung: aus natürlichen ätherischen Ölen, isolierten Duftmolekülen und rein synthetischen Komponenten. In dieser Vielfalt stecken auch Substanzen, die bei manchen Menschen Kontaktallergien auslösen können.
Diese potenziell allergenen Duftstoffe sind inzwischen recht gut erforscht. Auf Basis von Studien zur Hautverträglichkeit, Sensibilisierung und Häufigkeit von Reaktionen haben Fachgremien und Behörden Listen mit relevanten Duftallergenen zusammengestellt, die in Kosmetika eine Rolle spielen.
In vielen Regionen – etwa in der EU – ist festgelegt, dass bestimmte Duftallergene ab einer definierten Konzentration in der Inhaltsstoffliste aufgeführt werden müssen. Menschen mit empfindlicher oder bereits sensibilisierter Haut können so gezielt auf bestimmte Stoffe achten und Produkte bewusst auswählen.
Vom Duftbaustein zur Rezeptur: Wie Allergene in die Formulierung einfließen
Bei der Entwicklung einer Duftkomposition arbeitet die Parfümerie zwar kreativ – gleichzeitig läuft im Hintergrund ein nüchterner, technisch-regulatorischer Prozess mit.
Groß vereinfacht geschieht dabei Folgendes:
Analyse der Duftrohstoffe
Jeder Rohstoff – ob ätherisches Öl oder synthetische Note – kommt mit einer Spezifikation. Darin sind unter anderem die enthaltenen allergenen Bestandteile und deren typische Konzentrationen aufgeführt. Auf dieser Basis lässt sich später rechnen.
Berechnung der Gesamtgehalte
Für die fertige Parfumformel wird ermittelt, wie viel jedes einzelne Allergen im Endprodukt landet. Dabei zählt nicht nur, was als Einzelduft zugesetzt wird, sondern auch, welche Allergene in Naturölen quasi „mitgeliefert“ werden.
Abgleich mit gesetzlichen Grenzwerten
Die berechneten Gehalte werden mit den jeweils gültigen Grenz- und Kennzeichnungsschwellen abgeglichen. Wird ein Schwellenwert überschritten, muss das betreffende Allergen in der Liste der Inhaltsstoffe gesondert genannt werden.
Anpassung der Rezeptur
Wenn ein Duftstoff aus technischer, regulatorischer oder marketingbezogener Sicht reduziert werden soll (z. B. um die Allergenmenge zu senken), wird die Formel überarbeitet. Die Herausforderung besteht darin, den Charakter des Dufts möglichst zu erhalten, während bestimmte Komponenten abgeschwächt oder durch weniger sensibilisierende Alternativen ergänzt werden.
Typische Missverständnisse rund um Duftallergene
„Allergen“ bedeutet nicht automatisch „gefährlich“
Ein Duftallergen ist ein Stoff, der bei einigen Menschen eine Allergie auslösen kann – nicht bei allen. Viele Personen vertragen diese Stoffe problemlos, ohne je eine Reaktion zu bemerken.
„Natürlich“ ist nicht automatisch verträglicher
Natürliche ätherische Öle enthalten häufig gleich mehrere bekannte Allergene. Sie können für die Haut sogar reizender sein als manche synthetischen Duftstoffe, auch wenn „natürlich“ zunächst harmlos klingt.
„Frei von Duftstoffen“ und „ohne deklarationspflichtige Duftstoffe“ sind nicht dasselbe
Ein Produkt kann durchaus Duft enthalten, aber so formuliert sein, dass die regulierten Allergene unterhalb der Deklarationsgrenzen bleiben. „Ohne deklarationspflichtige Duftstoffe“ heißt also nicht zwingend wirklich „duftfrei“.
Praktische Orientierung: So nutzen Sie die Allergen-Informationen für sich
Inhaltsstoffliste gezielt nutzen
Wenn Sie wissen, dass Sie auf bestimmte Duftstoffe reagieren, können Sie in der INCI-Liste konkret nach den entsprechenden Stoffnamen suchen. Diese folgen festen Nomenklaturen, auch wenn sie auf den ersten Blick etwas technisch wirken.
Hautreaktionen ernst nehmen
Treten Rötungen, Juckreiz oder Brennen in den aufgetragenen Duftbereichen auf, kann ein Duftallergen beteiligt sein. In solchen Fällen lohnt sich ein Test mit parfümarmen oder duftfreien Produkten. Halten Beschwerden an, sollte eine ärztliche Abklärung – idealerweise beim Dermatologen – erfolgen.
Duftintensität realistisch einordnen
Ein intensiver Duft enthält nicht automatisch mehr Allergene, und ein sehr zarter Duft ist nicht automatisch „allergenfrei“. Entscheidend sind die konkreten Stoffe und deren Konzentrationen, nicht nur die subjektiv wahrgenommene Stärke.
Fazit: Transparenz statt Unsicherheit
Duftallergene werden heute nicht zufällig, sondern systematisch identifiziert, bewertet und bei der Rezepturplanung berücksichtigt. Parfumformeln entstehen im Spannungsfeld zwischen Kreativität, sensorischem Anspruch und klaren gesetzlichen Vorgaben. Für Sie heißt das: Sie können bewusster auswählen, welche Düfte Sie tragen – und bei empfindlicher Haut die Allergenangaben ganz gezielt in Ihre Entscheidung einbeziehen.