Duftsprache verstehen: Was Fachbegriffe bei Parfum wirklich bedeuten
Parfum wirkt auf den ersten Blick schlicht: Man sprüht, riecht, mag es – oder eben nicht. Gleichzeitig begegnen einem beim Kauf Begriffe wie Duftakkord, Konzentration oder Batch-Nummer, die eher nach Laborbericht als nach Luxusprodukt klingen. Genau da entsteht oft Unsicherheit: Was steckt dahinter, und wofür ist das beim Kauf überhaupt relevant?
Im Folgenden entwirren wir diese Duftsprache – sachlich, verständlich und ohne Werbesprech.
Wie ein Duft entsteht: Die Sprache der Parfümeure
Hinter jedem Parfum steht eine Komposition – eher wie ein Musikstück als wie eine einzelne Note.
Duftakkord
Ein Duftakkord ist das Zusammenspiel mehrerer Duftnoten, aus denen ein neuer, eigener Charakter entsteht. Wie mehrere Töne einen Akkord ergeben, verschmelzen einzelne Noten (z. B. Zitrus, Blüten, Hölzer) zu einem Gesamtduft. Ein Akkord tritt selten als „Einzelgeruch“ hervor, sondern wirkt als stimmiges, rundes Duftbild.
Duftnoten – Kopf, Herz und Basis
Parfums werden häufig in drei Phasen beschrieben:
- Kopfnote: Das, was Sie in den ersten Minuten nach dem Aufsprühen wahrnehmen – oft frisch, leicht, schnell verflogen.
- Herznote: Entfaltet sich nach kurzer Zeit und trägt den eigentlichen Charakter des Duftes.
- Basisnote: Bleibt am längsten auf der Haut, wirkt oft warm, cremig, holzig oder tief.
Duftakkorde können in allen Ebenen auftauchen – etwa als blumiger Herzakkord oder als holziger Basisakkord.
Konzentration, Haltbarkeit, Batch: Was auf dem Flakon wirklich zählt
Ein Blick auf den Flakon liefert mehr Informationen, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Konzentration
Die Konzentration gibt grob an, wie viel Duftöl im Verhältnis zu Alkohol verwendet wurde. Übliche Bezeichnungen sind:
- Eau de Cologne: sehr leicht, oft zitrisch, mit kurzer Haltbarkeit
- Eau de Toilette: leichter Alltagsduft, mittlere Intensität
- Eau de Parfum: dichter, markanter, meist länger spürbar
- Parfum / Extrait: sehr hohe Konzentration, meist sparsam dosiert
Feste Prozentangaben unterscheiden sich von Marke zu Marke. Die Begriffe dienen eher als Orientierung, nicht als exakte Messgröße.
Haltbarkeit und Sillage
- Haltbarkeit: Wie lange Sie den Duft auf Ihrer Haut wahrnehmen.
- Sillage: Die Duftwolke bzw. Spur, die Sie im Raum hinterlassen.
Beides hängt nicht nur an der Konzentration. Rohstoffe, Hauttyp, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und sogar Kleidung spielen mit hinein.
Batch-Nummer
Die Batch-Nummer ist eine Produktionskennung, meist klein auf der Flakon-Unterseite oder der Schachtel zu finden. Sie ermöglicht es dem Hersteller, eine bestimmte Charge nachzuvollziehen – etwa für Qualitätskontrollen, Haltbarkeitsfragen oder Reklamationen.
Für Sie verrät sie vor allem den Produktionszeitraum, nicht die „Qualität“ im Sinne von besser oder schlechter Duft.
Typische Stolperfallen bei Parfum-Begriffen
Missverständnisse entstehen oft, weil Begriffe zu wörtlich genommen oder überbewertet werden:
„Eau de Parfum hält immer viel länger als Eau de Toilette“
Nicht zwangsläufig. Ein zartes, transparentes Eau de Parfum kann zurückhaltend wirken, während ein würziges, aromatisches Eau de Toilette erstaunlich präsent sein kann.
„Batch-Nummern entscheiden, ob ein Duft gut oder schlecht ist“
Chargen können leicht variieren, vor allem wenn viele natürliche Rohstoffe im Spiel sind. Unterschiede bedeuten aber in der Regel „etwas anders“, nicht automatisch „besser“ oder „schlechter“.
„Ein Duftakkord ist eine einzelne Zutat“
Ein Akkord ist immer ein Konstrukt aus mehreren Komponenten – eine eigene Duftidee, kein einzelner Rohstoff.
So nutzen Sie Duftwissen ganz praktisch beim nächsten Kauf
Mit ein wenig Hintergrundwissen testen Sie Düfte gezielter – und vermeiden Fehlkäufe.
Auf die Entwicklung achten
Riechen Sie direkt nach dem Aufsprühen, nach ca. 30 Minuten und nach ein bis zwei Stunden. So erleben Sie Kopf-, Herz- und Basisnote im Verlauf.
Konzentration zum Alltag passend wählen
Für Büro, Schule oder häufigen Kontakt mit anderen eignen sich eher leichtere oder hautnahe Düfte. Für abends oder besondere Anlässe darf es intensiver sein.
Batch-Nummer notieren
Wenn Sie einen Duft gefunden haben, den Sie langfristig nutzen möchten, können Sie die Batch-Nummer festhalten. So wissen Sie, aus welcher Produktion Ihr Flakon stammt, falls es Rückfragen oder spätere Vergleiche gibt.
Eigene Haut im Blick behalten
Düfte entwickeln sich je nach Hautchemie unterschiedlich. Was bei einer anderen Person stundenlang strahlt, kann bei Ihnen schneller leiser werden – das ist kein Fehler des Parfums, sondern schlicht individuelle Chemie.
Kompakte Tipps für bewussten Duftgenuss
- Wählen Sie die Konzentration passend zu Anlass, Umfeld und gewünschter Intensität.
- Testen Sie Parfum immer auf der Haut, nicht ausschließlich auf Papierstreifen.
- Beobachten Sie die Duftentwicklung über mehrere Stunden, nicht nur die ersten Minuten.
- Nutzen Sie die Batch-Nummer als Produktionshinweis, nicht als Qualitätsurteil.
- Begriffe wie Akkord oder Sillage sind Orientierungshilfen – sie sollen erklären, nicht verunsichern.
Kurz zusammengefasst
Begriffe wie Duftakkord, Konzentration oder Batch-Nummer sind keine Geheimsprache der Branche, sondern praktische Hinweise auf Aufbau, Stärke und Herkunft eines Parfums.
- Ein Duftakkord beschreibt das Zusammenspiel mehrerer Noten, das einen charakteristischen Eindruck formt.
- Die Konzentration gibt eine grobe Idee von Intensität und Haltbarkeit, ohne absolute Garantie.
- Die Batch-Nummer dient vor allem der Rückverfolgung der Produktion, nicht als Qualitätsstempel.
Wer diese Begriffe versteht, wählt Düfte bewusster aus – und findet leichter Parfums, die zum eigenen Geschmack, zur Haut und zum Alltag passen.