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Wie teste ich Parfum richtig im Geschäft, ohne meine Nase zu überfordern?

Parfum im Geschäft testen: Wie Ihre Nase entspannt den Überblick behält

Ein neuer Duft kann ein stilles Statement sein – oder ein Fehlkauf, der anschließend im Schrank verstaubt. In der Parfümerie liegt beides oft nah beieinander. Nach den ersten Sprühstößen wirkt die Auswahl faszinierend, doch schon nach kurzer Zeit verschwimmt alles zu einem süß-würzigen Einheitsnebel. Die Nase macht dicht, der Kopf auch. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob Sie einen Duft finden, der wirklich zu Ihnen passt – oder einfach den, der gerade noch wahrnehmbar ist.

Im Folgenden geht es darum, wie Sie Parfums im Geschäft so testen, dass Ihr Geruchssinn nicht überfordert wird, Sie Düfte besser unterscheiden können und am Ende eine durchdachte Entscheidung treffen.


Warum die Nase beim Parfum-Shoppen schnell an ihre Grenzen kommt

Beim Parfumtesten muten wir unserem Geruchssinn in kurzer Zeit erstaunlich viel zu. Unser Riechsystem ist aber nicht dafür gemacht, dauerhaft auf voller Lautstärke zu laufen. Es schützt sich, indem es sich an Gerüche gewöhnt – ein sinnvoller Mechanismus im Alltag, beim Testen von zehn Düften hintereinander allerdings eher hinderlich.

Nach wenigen Minuten passiert oft Folgendes:

  • Die Nase stumpft gegenüber bestimmten Duftnoten ab („olfaktorische Ermüdung“).
  • Feinere Nuancen verschwimmen, während nur noch kräftige, sehr süße oder sehr laute Düfte durchdringen.
  • Die Konzentration lässt nach, Entscheidungen werden mehr zum Bauchgefühl als zur bewussten Wahl.

Wesentlich ist auch: Ein Parfum ist kein statischer Geruch, sondern eine Abfolge. Die erste Wahrnehmung – die Kopfnote – ist nur der Einstieg. Wie ein Duft nach 30 Minuten oder nach einer Stunde riecht, entscheidet oft darüber, ob er im Alltag tragbar ist. Sinnvoll testen heißt also: der Nase Pausen geben und dem Duft Zeit lassen.


Schritt für Schritt: So testen Sie Düfte im Geschäft, ohne den Überblick zu verlieren

1. Wenige Düfte pro Besuch wählen

Setzen Sie sich ein klares Limit:

  • Gut handhabbar sind 3–5 Düfte pro Besuch.
  • Je kleiner die Auswahl, desto besser können Sie Unterschiede wahrnehmen und bewusst vergleichen.

Mehr Düfte bedeuten nicht automatisch eine bessere Entscheidung, meist nur mehr Verwirrung.

2. Erst auf Papier, dann auf der Haut

Starten Sie konsequent mit Teststreifen:

  • Einen Sprühstoß auf den Streifen, nicht zu nah an der Düse.
  • Kurz trocknen lassen und dann mit etwas Abstand daran riechen, nicht direkt tief einatmen.
  • Nur die spannendsten 1–2 Düfte schaffen es anschließend auf die Haut.

Wenn ein Duft diese erste Hürde nimmt, wird es konkreter:

  • Innenseite des Handgelenks oder
  • Unterarm, wenn Sie etwas mehr Fläche brauchen.

Pro Arm maximal ein Duft. Alles darüber hinaus führt schnell zu Mischgerüchen und verwischt den eigentlichen Charakter.

3. Zwischendurch Pausen einplanen

Ihr Geruchssinn braucht Erholung, sonst sortiert er irgendwann nur noch grob in „gefällt“ und „gefällt nicht“:

  • Gönnen Sie sich zwischendurch ein paar Minuten, in denen Sie nichts bewusst riechen – einfach etwas im Geschäft umhergehen.
  • Riechen Sie kurz an unbedufteter Kleidung oder an einem neutralen Bereich Ihrer eigenen Haut (z. B. Schulter), um die Wahrnehmung wieder zu „erden“.

Die vielzitierten Kaffeebohnen, die manche Geschäfte anbieten, helfen manchen, anderen gar nicht. Verlassen Sie sich da auf Ihre eigene Wahrnehmung, nicht auf die Theorie.

4. Entwicklung des Duftes abwarten

Riechen Sie denselben Duft mehrmals in zeitlichem Abstand:

  • direkt nach dem Aufsprühen
  • nach etwa 10–15 Minuten
  • nach 30–60 Minuten

So erleben Sie den Weg von der oft frischen, lauten Kopfnote über die Herznote bis in die Basis, die den Duft auf Ihrer Haut trägt. Gerade die Phase nach einer halben Stunde entscheidet häufig darüber, ob ein Parfum alltagstauglich ist oder nach kurzer Zeit „zu viel“ wird.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Zu viele Düfte in kurzer Zeit
Wer nacheinander zehn oder mehr Parfums testet, überlastet sein Riechsystem fast zwangsläufig. Begrenzen Sie die Auswahl bewusst – und brechen Sie den Test ab, wenn alles gleich riecht.

Duft auf bereits bedufteter Haut
Schon vorhandener Duft von Bodylotion, Restparfum oder intensiv parfümierter Kleidung verfälscht das Ergebnis. Kommen Sie, wenn möglich, weitgehend unbeduftet ins Geschäft.

Flakon oder Streifen direkt an die Nase halten
Tiefes Einatmen aus nächster Nähe reizt die Nase unnötig. Besser: aus etwa 10–15 Zentimetern Entfernung riechen und die Duftwolke gewissermaßen „auffangen“.

Entscheidung nach dem ersten Eindruck
Die Kopfnote ist verführerisch, aber nicht verlässlich. Geben Sie dem Duft mindestens einige Minuten, bevor Sie ihn endgültig einordnen.


Erprobte Tipps, damit Ihre Nase entspannt mitentscheidet

  • Gehen Sie möglichst ausgeruht testen – nicht erkältet, nicht stark verschnupft, idealerweise auch nicht mit Kopfschmerzen.
  • Planen Sie Parfumshopping nicht direkt nach einem sehr intensiv gewürzten Essen (Zwiebeln, Knoblauch, starke Gewürzmischungen), solche Gerüche können Ihre Wahrnehmung verschieben.
  • Wenn das Geschäft es erlaubt, tragen Sie Ihren Favoriten einen Tag lang probeweise und entscheiden Sie erst beim nächsten Besuch. So erleben Sie auch, wie andere auf den Duft reagieren.
  • Notieren Sie sich auf dem Teststreifen oder im Handy, welchen Duft Sie wo aufgetragen haben. Gerade nach mehreren Versuchen ist das zuverlässiger als das Gedächtnis.

Kurz zusammengefasst

Beim Parfumtesten im Geschäft gilt: Beschränkung ist ein Vorteil. Wählen Sie nur wenige Düfte, beginnen Sie auf Teststreifen und holen Sie erst danach einzelne Kandidaten auf die Haut. Gönnen Sie Ihrer Nase Pausen und beobachten Sie die Entwicklung des Duftes über mindestens eine halbe Stunde. Treffen Sie Ihre Entscheidung nicht nach dem ersten Sprühstoß, sondern nach der Phase, in der Sie den Duft realistischerweise tragen würden. So steigen die Chancen deutlich, dass Sie mit einem Duft nach Hause gehen, der Sie länger begleitet – und nicht nur an diesem einen Nachmittag gut erschien.


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