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Gibt es Parfums, die sich besonders für Menschen mit Asthma oder Atemwegsproblemen eignen oder eher gemieden werden sollten?

Düfte und sensible Atemwege: Wie Sie Parfum mit Bedacht auswählen

Parfum kann ein Moment purer Sinnlichkeit sein – oder für Menschen mit Asthma und empfindlichen Atemwegen sehr unangenehm werden. Gerade wer selbst betroffen ist, fragt sich oft, ob es „asthmagerechte“ Düfte gibt oder ob Parfum grundsätzlich problematisch ist. Im Kern geht es darum zu verstehen, was in Duftstoffen steckt, welche Risiken tatsächlich bestehen – und wie Sie Düfte so wählen und anwenden können, dass Ihre Atemwege möglichst wenig belastet werden.


Warum Düfte die Atemwege reizen können

Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen reagieren häufig empfindlicher auf Reize aus der Umgebung – dazu gehören auch Duftstoffe. Parfums sind stets Mischungen aus Duftkomponenten, Lösungsmitteln (meist Alkohol) und weiteren Hilfsstoffen.

Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen:

  • Flüchtige Stoffe in der Luft
    Parfum verdampft nach dem Auftragen und verteilt sich als feiner Nebel in der Luft. Diese Partikel werden eingeatmet und können bei sensiblen Personen Hustenreiz, Engegefühl oder sogar Atemnot auslösen.

  • Individuelle Empfindlichkeit
    Eine verlässliche „Positivliste“ sicherer Parfums gibt es nicht. Reaktionen sind sehr individuell: Was der eine gut verträgt, kann beim nächsten deutliche Beschwerden verursachen.

  • Duftstoffe als mögliche Reizquellen
    Einzelne Duftstoffe – ob natürlich oder synthetisch – können Schleimhäute reizen oder allergische Reaktionen begünstigen. Entscheidend ist weniger das Etikett „natürlich“ oder „künstlich“ als die persönliche Empfindlichkeit.

Asthma oder andere Atemwegsprobleme bedeuten daher nicht automatisch, dass Parfum komplett gestrichen werden muss. Entscheidend ist ein bewusster, vorsichtiger Umgang.


So können Sie Düfte vorsichtig in Ihren Alltag integrieren

Wer Parfum mag und seine Atemwege trotzdem schützen möchte, kann mit etwas Umsicht oft einen guten Mittelweg finden:

  • Leichte Konzentrationen wählen
    Varianten wie Eau de Cologne oder leichte Eau-de-Toilette-Düfte enthalten in der Regel weniger Duftstoffe pro Volumen als intensive Parfums. Sie werden von vielen als weniger belastend empfunden.

  • Ganz klein anfangen
    Neue Düfte sollten Sie zunächst sehr sparsam testen, etwa mit einem einzigen Sprühstoß auf den Unterarm. Lassen Sie etwas Zeit vergehen und achten Sie bewusst darauf, wie Ihre Atemwege reagieren.

  • Auftragspunkte überlegt wählen
    Vermeiden Sie Hals, Dekolleté oder andere Bereiche nahe an Mund und Nase. Besser sind Stellen wie Ellenbeuge, seitliche Rumpfpartien, Kniekehlen oder die Innenseite von Kleidung (Achtung: mögliche Flecken vorher prüfen).

  • Gut gelüftete Umgebung
    Parfum nicht in kleinen, schlecht gelüfteten Räumen auftragen und möglichst nicht in unmittelbarer Nähe des Schlafplatzes. Frische Luft verdünnt Duftstoffe und senkt die Reizbelastung.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Bestimmte Gewohnheiten erhöhen das Risiko für Beschwerden deutlich:

  • Zu viel auf einmal
    Mehrere kräftige Sprühstöße, kombiniert mit stark duftenden Bodylotions, Deos oder Haarsprays, sorgen schnell für eine hohe Duftkonzentration – für empfindliche Atemwege oft zu viel.

  • Starke, langanhaltende Düfte
    Schwere, sehr intensive Kompositionen „stehen“ lange im Raum. In geschlossenen Umgebungen kann das für Betroffene ausgesprochen belastend werden.

  • Duftwolken im Auto oder Büro
    Enge Räume mit mehreren Personen verstärken das Problem: Wer empfindliche Atemwege hat, kann sich solchen Duftwolken kaum entziehen.

  • Direkter Kontakt mit Spray
    Parfum nicht ins Gesicht oder direkt vor Mund und Nase sprühen und dann durch den Nebel gehen. Der frische Sprühnebel ist besonders konzentriert und kann stark reizen.


Erprobte Tipps für eine duftverträgliche Routine

Mit ein paar Anpassungen lassen sich Düfte oft besser in den Alltag integrieren:

  • Weniger ist mehr
    Ein bis zwei Sprühstöße genügen meistens. Dass Sie den Duft nach kurzer Zeit selbst kaum noch wahrnehmen, ist normal – die eigene Nase gewöhnt sich. Für andere ist der Duft häufig weiterhin deutlich präsent.

  • Duftfreie Alternativen im Alltag nutzen
    Gerade im beruflichen Kontext, etwa im Büro oder in pflegenden und medizinischen Berufen, sind neutrale, unparfümierte Pflegeprodukte eine sinnvolle Basis. Wer mag, kann dann bei privaten Anlässen gezielter und sparsamer parfümieren.

  • Auf Reaktionen achten
    Wenn bestimmte Düfte regelmäßig Husten, Engegefühl, Kopfschmerzen oder ähnliche Symptome auslösen, sollten Sie dieses Produkt konsequent weglassen – auch wenn es Ihnen olfaktorisch gut gefällt.

  • Rücksicht auf andere nehmen
    Wissen Sie von Kolleginnen, Freunden oder Familienmitgliedern, dass sie Asthma oder empfindliche Atemwege haben, ist ein reduzierter oder ganz duftfreier Gebrauch ein aktiver Beitrag zu ihrem Wohlbefinden.


Kurz zusammengefasst

Es gibt keine offiziell garantierten „asthmasicheren“ Parfums. Was es gibt, ist ein Umgang, der Risiken reduziert: leichte Duftkonzentrationen, sparsame Anwendung, gute Lüftung und eine wache Beobachtung der eigenen Reaktionen. Düfte, die wiederholt Beschwerden auslösen, gehören konsequent aussortiert. In vielen Fällen gilt: Ein wenig Duft kann angenehm sein – zu viel ist schnell zu viel, besonders für sensible Atemwege.


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