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Welche Rolle spielen Influencer und Social Media bei der Entstehung neuer Dufttrends?

Wie Social Media unsere Nase lenkt: Die Rolle von Influencern bei neuen Dufttrends

Parfums gelten als etwas sehr Persönliches – und trotzdem entstehen Dufttrends selten zufällig. Social Media und Influencer haben grundlegend verändert, wie wir Düfte entdecken, einordnen und schließlich kaufen. An die Stelle von Hochglanzkampagnen und Parfümerie-Besuchen treten Feeds, denen wir täglich folgen. In diesem Beitrag geht es darum, wie Influencer und Plattformen wie Instagram, TikTok & Co. neue Dufttrends formen, wie Sie diese Dynamik sinnvoll für sich nutzen – und an welchen Punkten gesunde Skepsis angebracht ist.

Warum Düfte heute online entstehen – und nicht mehr nur am Counter

Früher bestimmten Hersteller, klassische Werbung und der Handel weitgehend, welche Düfte „Saison“ hatten. Heute reicht mitunter ein virales Video, um einen Duft in kürzester Zeit weltweit auf den Radar zu bringen.

Wesentliche Gründe dafür:

  • Reichweite in Echtzeit
    Social Media sorgt dafür, dass Duftempfehlungen innerhalb von Sekunden global sichtbar sind. Ein einziger Clip erreicht potenziell Millionen – schneller und oft effektiver als jede Plakatkampagne.

  • Emotionale, persönliche Erzählungen
    Influencer sprechen selten in Fachtermini. Sie beschreiben Düfte mit Bildern: „wie ein Abend am Kamin“ oder „wie frisch bezogene, saubere Bettwäsche“. Diese Analogien ersetzen den Papierteststreifen und machen Düfte vorstellbar, obwohl man sie noch nie gerochen hat.

  • Community-Effekt
    Wenn viele Accounts denselben Duft zeigen, entsteht ein Momentum: Aus „interessant“ wird „den muss ich mir ansehen“. Hashtags, Duft-Listen und Challenges verstärken dieses Gruppengefühl und beschleunigen Trends.

  • Nischen und Individualität
    Online bekommen auch ungewöhnliche Duftprofile eine Bühne. Begriffe wie „kühle, hautfremde Düfte“ oder „Gourmand-Noten“ kursieren in spezialisierten Communities und können sich von dort aus in den Mainstream ausbreiten.

Damit verschiebt sich der Einfluss: Weg von wenigen großen Markenstimmen, hin zu einem Chor zahlreicher Einzelstimmen, die gemeinsam Trends hervorbringen.

So nutzen Influencer ihre Wirkung auf Dufttrends – und wie Sie das einordnen können

Influencer setzen unterschiedliche Hebel ein, um Düfte sichtbar und begehrlich zu machen – teils strategisch, teils einfach, weil das Format es nahelegt.

  • Storytelling statt Inhaltsliste
    Viele Creator erklären nicht, welche Noten in der Kopfnote stecken, sondern sprechen über Stimmungen, Situationen und „Vibes“. Das erleichtert die Entscheidung, weil man sich selbst in diesen Szenen wiederfindet. Gleichzeitig können solche Erzählungen Düfte verklären und Erwartungen hochschrauben.

  • Kurze, emotionale Formate
    Reels, Shorts und TikToks zwingen zur Verdichtung. Ein Duft wird in wenigen Sekunden mit Musik, schnellen Schnitten und starken Bildern inszeniert. Was im Alltag eher subtil ist, wirkt im Feed plötzlich groß, glamourös und dramatisch.

  • Wiederholung und künstliche Verknappung
    Wird ein Duft immer wieder als „kaum zu bekommen“ oder „echter Geheimtipp“ bezeichnet, steigt die Nachfrage fast automatisch. Der entstehende Hype verstärkt sich selbst – unabhängig davon, ob der Duft objektiv besonders ist.

  • Interaktion mit der Community
    Kommentare wie „Das ist mein neuer Signature-Duft“ oder „Den rieche ich inzwischen überall“ prägen, wie ein Parfum wahrgenommen wird: als individuell, als „Mainstream“ oder als „schon wieder durch“.

Für Sie heißt das: Influencer können Orientierung bieten – sie ersetzen aber weder Ihre eigene Nase noch Ihr Gespür für Alltagstauglichkeit.

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie umgehen

Wo viele Empfehlungen kursieren, entstehen auch Missverständnisse. Einige Punkte, an denen es oft hakt:

  • Erwartungen statt Realität
    Ein Duft, der online als „sanft, clean und kaum wahrnehmbar“ beschrieben wird, kann auf Ihrer Haut überraschend präsent wirken – oder komplett untergehen. Hautchemie, pH-Wert und Pflegeprodukte verändern den Duft deutlich.

  • Verwechselte Zielgruppe
    Düfte, die in sehr jungen Communities boomen, passen nicht automatisch zu beruflichen oder formellen Kontexten. Social Media bildet vor allem die Lebensrealität der Creator ab – nicht unbedingt Ihre.

  • Unklare Kennzeichnung
    Nicht jede Kooperation ist sofort als Werbung erkennbar. Wenn eine Empfehlung bezahlt ist, beeinflusst das die Unabhängigkeit der Einschätzung – selbst dann, wenn der Duft tatsächlich gemocht wird.

  • Trend statt Persönlichkeit
    Wer Hypes unreflektiert mitgeht, sammelt am Ende oft mehrere sehr ähnliche Düfte, die wenig über die eigene Persönlichkeit erzählen. Der Schrank ist voll, das Gefühl von „Das bin ich“ fehlt.

Wie Sie Social Media für Ihre Duftwahl sinnvoll nutzen

Sie müssen sich Trends nicht entziehen, um souverän zu bleiben. Es geht eher darum, Social Media als Werkzeug zu nutzen und nicht als Fernsteuerung.

  • Gezielt nach Duftprofilen suchen
    Suchen Sie lieber nach Beschreibungen wie „pudrig“, „frisch“, „holzbetont“ oder „vanillig“, statt nur nach konkreten Markennamen. So landen Sie schneller bei Düften, die Ihrem Geschmack entsprechen, statt nur dem Trend.

  • Mehrere Quellen vergleichen
    Folgen Sie nicht nur einem Creator. Verschiedene Altersgruppen, Stile und Lebensrealitäten liefern unterschiedliche Perspektiven. Wenn ein Duft übergreifend ähnlich beschrieben wird, ist das oft aussagekräftiger als eine einzelne Lobeshymne.

  • Notizen machen
    Halten Sie fest, was Sie anspricht: Stichworte zur Stimmung („gemütlich“, „geschäftlich“, „abends“), zur Jahreszeit oder zum Anlass. Damit testen Sie später gezielter, statt impulsiv zu kaufen, sobald etwas „viral“ ist.

  • Immer Probe vor Kauf – wenn möglich
    Ein ganzer Flakon bindet Sie lange, ein Sample nicht. Nutzen Sie Proben, Abfüllungen oder Teststreifen, bevor Sie investieren. Viele Hypes sind kurzlebiger als die Haltbarkeit eines Parfums.

  • Auf Ihre eigene Reaktion achten
    Tragen Sie einen Duft über mehrere Stunden. Erst die Herznote und die Basis zeigen, ob Sie sich damit wohlfühlen – oder froh sind, ihn nur als Probe ausprobiert zu haben.

Kurz zusammengefasst

Influencer und Social Media sind heute zentrale Taktgeber für Dufttrends. Sie machen Parfums sichtbarer, emotionaler und niedrigschwelliger zugänglich – erzeugen aber auch Hypes, die nicht zwangsläufig zu Ihrer Persönlichkeit oder Ihrem Alltag passen. Wenn Sie Empfehlungen als Anregung nutzen, Quellen vergleichen und Ihre eigenen Duftvorlieben kennen, können Sie Social Media souverän für sich arbeiten lassen, statt sich von Trends treiben zu lassen.

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