Professionell und sensibel: So gehen Sie im Studio mit sichtbaren Nagel- und Hauterkrankungen um
Kundinnen und Kunden kommen ins Studio, um sich zu entspannen, sich zu pflegen, sich etwas zu gönnen. Manchmal bringen sie dabei aber auch deutlich sichtbare Nagel- oder Hautveränderungen mit. Für Sie als Studio wird es dann heikel: Sie möchten niemanden bloßstellen, müssen aber gleichzeitig Hygiene, Gesundheit und rechtliche Grenzen im Blick behalten.
In diesem Artikel geht es darum, wie Sie solche Situationen fachlich sauber einschätzen, wie Sie das Gespräch respektvoll führen – und wo klare Grenzen verlaufen, die Sie nicht überschreiten sollten.
Zwischen Dienstleistung und Verantwortung: Was Studios unbedingt wissen sollten
Veränderungen an Haut oder Nägeln können harmlos sein – oder eben nicht. Trockene Haut, Druckstellen, Verhornungen, Ekzeme, Verletzungen, aber auch Pilzinfektionen oder andere ansteckende Hauterkrankungen kommen in Studios regelmäßig vor. Von außen ist das nicht immer eindeutig zu unterscheiden.
Entscheidend ist: Studios dürfen weder diagnostizieren noch behandeln. Das ist ausschließlich Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten. Ihre Verantwortung liegt an anderer Stelle: Sie müssen hygienische Risiken realistisch einschätzen und im Zweifel eine Dienstleistung ablehnen, wenn ein Ansteckungsrisiko oder die Gefahr einer Verschlimmerung besteht.
Dabei geht es immer um drei Schutzebenen:
- Schutz der anderen Kundinnen und Kunden
- Schutz des eigenen Teams
- Schutz der betroffenen Person selbst
Je klarer Sie intern geregelt haben, wie in solchen Fällen vorzugehen ist, desto souveräner können Sie handeln – und desto professioneller wirkt Ihr Studio nach außen.
Schritt für Schritt: So gehen Sie im konkreten Fall vor
Fallen Ihnen bei einer Kundin oder einem Kunden sichtbare Auffälligkeiten an Haut oder Nägeln auf, kann folgende Vorgehensweise helfen:
Ruhe bewahren und diskret bleiben
Sprechen Sie die Person nie vor anderen an. Wenn möglich, wechseln Sie an einen ruhigeren Platz oder senken zumindest die Stimme. Diskretion ist hier nicht nur Höflichkeit, sondern Respekt.
Respektvolle, neutrale Formulierungen wählen
Bleiben Sie sachlich, nicht wertend. Formulierungen wie „Veränderungen“, „Irritationen“ oder „Auffälligkeiten“ sind neutral. Begriffe wie „Infektion“ oder konkrete Krankheitsnamen vermeiden Sie – das wäre bereits eine Wertung oder Diagnose.
Keine Diagnose stellen
Sie wissen vielleicht aus Erfahrung, wie etwas aussieht. Rechtlich spielt das keine Rolle. Verzichten Sie auf Aussagen wie „Das ist bestimmt…“. Besser sind Sätze wie:
„Ich sehe hier Veränderungen, bei denen ich aus hygienischen Gründen vorsichtig sein muss.“
Hygienerisiko erklären
Machen Sie klar, dass es nicht um die Person geht, sondern um Sicherheit und Hygiene für alle Beteiligten. Damit nehmen Sie Druck aus der Situation und vermeiden, dass sich jemand persönlich zurückgewiesen fühlt.
Leistung ggf. höflich ablehnen
Wenn Sie das Risiko einer Ansteckung oder einer Schädigung der Haut oder Nägel nicht sicher ausschließen können, sollten Sie die Behandlung an der betroffenen Stelle – oder, wenn nötig, die gesamte Behandlung – ablehnen. Höflich, aber eindeutig.
Zum Arztbesuch ermutigen
Weisen Sie darauf hin, dass eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist, bevor Sie weiterarbeiten können. Das ist keine Übertreibung, sondern verantwortungsvolles Handeln.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
In der Praxis sind es oft dieselben Fehler, die Studios in Schwierigkeiten bringen. Einige davon lassen sich mit klaren Regeln gut umgehen:
Behandlung trotz Unsicherheit
„Wird schon nichts sein“ ist im Studioalltag keine gute Strategie. Wenn Sie Zweifel haben, behandeln Sie nicht – weder aus Höflichkeit noch aus wirtschaftlichem Druck.
Diagnosen „aus Erfahrung“ stellen
Sätze wie „Das ist nur ein Pilz, den haben viele“ oder „Das ist sicher nichts Schlimmes“ sind gleich doppelt problematisch: medizinisch unzulässig und haftungsrechtlich heikel.
Beschämende oder alarmierende Formulierungen
Begriffe wie „Pilz“, „hoch ansteckend“ oder „so kann ich Sie nicht behandeln“ wirken schnell verletzend oder dramatisierend. Besser: ruhig, sachlich, klar erklären, dass Sie aus hygienischen Gründen vorsichtig sein müssen.
Fehlende Dokumentation
Wenn Sie eine Behandlung ablehnen oder abbrechen, sollten Sie kurz festhalten, wann, bei wem und warum. Ohne Notiz lässt sich später kaum belegen, dass Sie sorgfältig entschieden haben.
Uneinheitliches Vorgehen im Team
Wenn jede Mitarbeiterin anders reagiert – die eine sehr streng, die andere sehr locker –, wirkt das inkonsequent und unprofessionell. Kundinnen und Kunden merken das sofort.
Praxisnah und umsetzbar: So schaffen Sie klare Standards im Studioalltag
Ein sicherer und professioneller Umgang mit auffälligen Haut- und Nagelveränderungen hängt nicht vom „Bauchgefühl“ ab, sondern von klaren Strukturen:
Interne Richtlinien festlegen
Halten Sie schriftlich fest, in welchen Situationen grundsätzlich nicht behandelt wird, z. B. bei offenen Wunden, stark geröteter oder nässender Haut, verdächtigen Nagelveränderungen oder unklaren, flächigen Hautirritationen.
Team regelmäßig schulen
Schulen Sie Ihr Team darin, typische Auffälligkeiten zu erkennen und Gesprächseinstiege sensibel zu formulieren. Gerade neue Mitarbeitende profitieren von konkreten Beispielen und Formulierungshilfen.
Hygienestandards konsequent umsetzen
Einmalmaterial, sorgfältige Desinfektion, Handschuhe, saubere Arbeitsplätze – das darf nie Verhandlungssache sein. Diese Standards gelten immer, nicht nur, wenn etwas „komisch aussieht“.
Standardformulierungen vorbereiten
Legen Sie einige neutrale Sätze fest, auf die alle Mitarbeitenden zurückgreifen können, z. B.:
„Ich sehe hier Veränderungen, bei denen wir aus Hygienegründen vorsichtig sein müssen. Ich würde Sie bitten, das einmal ärztlich abklären zu lassen, bevor wir weiterarbeiten.“
Das nimmt Unsicherheit aus dem Gespräch.
Dokumentation führen
Notieren Sie bei abgelehnten oder abgebrochenen Behandlungen kurz Datum, Anlass und Entscheidung. Das muss kein Roman sein – ein paar Stichworte reichen, um im Zweifel nachweisen zu können, dass Sie verantwortungsvoll gehandelt haben.
Kurz zusammengefasst
Sichtbare Nagel- oder Hautveränderungen führen im Studio zwangsläufig zu einer Doppelrolle: Sie sollen ein angenehmes Dienstleistungserlebnis bieten und müssen gleichzeitig konsequent auf Hygiene und Sicherheit achten. Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln gehört nicht zu Ihren Aufgaben – Risiken zu erkennen und entsprechend zu handeln hingegen schon.
Eine klare interne Linie, respektvolle Kommunikation und verlässlich umgesetzte Hygienestandards helfen Ihnen, Kundinnen und Kunden ernst zu nehmen, ohne sich selbst, Ihr Team oder andere Gäste zu gefährden.