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Welche Inhaltsstoffe sind in der Schwangerschaft oder Stillzeit problematisch und sollten gemieden werden?

Beauty in besonderen Zeiten: Welche Inhaltsstoffe Sie in Schwangerschaft und Stillzeit besser meiden

Während Schwangerschaft und Stillzeit verändert sich vieles: der Körper, der Alltag – und oft auch der Blick auf die eigene Pflegeroutine. Plötzlich steht die Frage im Raum: Was kann problemlos auf die Haut, und wo ist Vorsicht besser? Eine einfache Schwarz-Weiß-Antwort gibt es selten. Für viele Wirkstoffe fehlen umfassende Studien in genau dieser Lebensphase.

Der folgende Überblick fasst die wichtigsten Stoffgruppen zusammen, die als potenziell kritisch gelten. Sie müssen nicht automatisch gefährlich sein – aber sie sind Kandidaten, die Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen oder vorsorglich reduzieren beziehungsweise meiden können.


Wenn Beauty zur Wissenschaft wird: Warum Inhaltsstoffe jetzt genauer hinschauen lassen

In Schwangerschaft und Stillzeit zählt vor allem eines: Sicherheit – für Sie und Ihr Kind. Theoretisch können bestimmte kosmetische Wirkstoffe über die Haut aufgenommen werden und in den Blutkreislauf gelangen. Wie viel davon tatsächlich passiert, hängt von mehreren Faktoren ab: Konzentration, Produktart, Häufigkeit der Anwendung, Zustand der Haut.

Die meisten Inhaltsstoffe gelten bei normaler Anwendung als unbedenklich. Bei einigen Substanzen gibt es jedoch Hinweise, dass hohe Dosen oder bestimmte Anwendungsformen problematisch sein könnten. Der Rahmen, in dem wir hier sprechen, ist deshalb meist das Vorsorgeprinzip: lieber bewusster wählen als sich später fragen zu müssen, ob etwas vermeidbar gewesen wäre – ohne in Alarmismus zu verfallen.

Besonders im Fokus stehen dabei unter anderem:

  • Vitamin-A-Derivate (Retinoide)
  • Hohe Konzentrationen bestimmter Fruchtsäuren (AHA/BHA)
  • Bestimmte chemische UV-Filter
  • Bestimmte Konservierungsstoffe
  • Einige ätherische Öle und Duftstoffe

Schritt für Schritt: Diese Stoffe sollten Sie genauer prüfen

1. Retinol und andere Vitamin-A-Derivate

Retinoide gehören zu den klassischen Anti-Aging-Wirkstoffen. Für hoch dosierte Vitamin-A-Präparate zum Einnehmen ist die Lage klar: In der Schwangerschaft sind sie tabu.

Bei äußerlicher Anwendung in Kosmetik ist die Datenlage dünner. Gerade weil es hier keine umfassende Sicherheit gibt, raten viele Fachgesellschaften dazu, in Schwangerschaft und Stillzeit vorsorglich auf Retinol & Co. zu verzichten oder sie nur nach expliziter ärztlicher Empfehlung zu nutzen.

Typische Bezeichnungen in der INCI-Liste:

  • Retinol
  • Retinal / Retinaldehyde
  • Retinyl Palmitate, Retinyl Acetate
  • Tretinoin, Adapalen, Tazaroten (verschreibungspflichtige Wirkstoffe – immer nur nach ärztlicher Entscheidung)

2. Hohe Konzentrationen von Säuren (AHA/BHA)

Fruchtsäuren wie Glykolsäure oder Milchsäure und auch Salicylsäure helfen, das Hautbild zu verfeinern, Unreinheiten zu lösen und den Teint glatter wirken zu lassen.

  • Salicylsäure (BHA): In niedriger Konzentration, punktuell und auf kleinen Arealen angewendet, wird sie meist als unproblematisch eingeschätzt. Bei großflächiger oder hochkonzentrierter Nutzung – etwa in intensiven Peelings oder Bodyprodukten – wird dagegen eher zu Zurückhaltung geraten.
  • AHA-Säuren (z. B. Glykolsäure): In den üblichen Konzentrationen kosmetischer Produkte gelten sie überwiegend als akzeptabel. Wenn es jedoch um starke Peelings, Säuremasken oder hochkonzentrierte Kurprodukte geht, ist ein kurzer Check mit Dermatologie oder Gynäkologie sinnvoll.

3. Bestimmte chemische UV-Filter

Sonnenschutz bleibt – gerade in der Schwangerschaft – wichtig. Die Haut neigt verstärkt zu Pigmentflecken, und UV-Schutz ist einer der wichtigsten Bausteine langfristiger Hautgesundheit.

Einige chemische UV-Filter stehen allerdings im Verdacht, hormonähnliche Effekte haben zu können. Die Studienlage ist nicht einheitlich, die Interpretation entsprechend vorsichtig. Viele Expertinnen und Experten empfehlen bei Unsicherheiten:

  • eher auf mineralische Filter (z. B. Zinkoxid, Titandioxid) zu setzen, oder
  • Produkte mit gut dokumentierter, moderater Formulierung zu wählen
  • konsequent zu schützen, aber keine exzessive Produktmenge aufzubauen

Besonders im Fokus stehen:

  • Benzophenone (z. B. Benzophenone-3)
  • einzelne organische UV-Filter, bei denen hormonähnliche Eigenschaften diskutiert werden

Für eine persönliche Einordnung lohnt sich ein Termin bei Dermatologie oder Gynäkologie – idealerweise mit den Produkten in der Tasche.

4. Bestimmte Konservierungs- und Duftstoffe

Konservierungsstoffe sind notwendig, damit Cremes und Lotionen nicht zu Keimschleudern werden. Ohne sie würden viele Produkte schnell verderben – auch das wäre ein Risiko. Dennoch gibt es Vertreter, die kritisch diskutiert werden, etwa wegen möglicher hormonähnlicher Wirkungen oder einer erhöhten Allergierate.

Dazu zählen insbesondere:

  • Bestimmte Parabene (z. B. Butylparaben, Propylparaben), bei denen man bei sensibler Einschätzung eher auf reduzierte Verwendung achtet
  • Formaldehydabspalter, die die Haut reizen und Allergien begünstigen können
  • Bestimmte synthetische Duftstoffe sowie einige ätherische Öle in hoher Konzentration, die Irritationen, Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen können

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

1. „Nur äußerlich, also automatisch unkritisch“
Auch äußerlich angewendete Stoffe können in den Körper gelangen – wie viel, hängt von der Formulierung, der Häufigkeit, aber auch von kleinen Dingen wie Rasur oder irritierter Haut ab. Bei stark wirksamen oder medizinischen Produkten gehört deshalb eine ärztliche Einschätzung dazu.

2. Zu viele Produkte gleichzeitig
Mit jeder weiteren Schicht steigt die Zahl der Inhaltsstoffe, die Sie auftragen. Der Überblick geht schnell verloren. In dieser Phase ist eine schlanke, klar aufgebaute Routine oft die bessere, auch nervenschonendere Wahl.

3. „Natürlich“ gleich „ungefährlich“
Pflanzlich ist nicht automatisch mild. Viele ätherische Öle und Pflanzenextrakte sind hoch wirksam – im Positiven wie im Negativen. Sie können irritieren, allergisieren oder Kopfschmerzen verstärken. Gerade in der Schwangerschaft lohnt sich ein genauer Blick, statt sich allein vom „Natur“-Label leiten zu lassen.

4. Eigenmächtiges Absetzen notwendiger Behandlungen
Medizinische Cremes und Lösungen sollten nicht ohne Rücksprache abgesetzt werden – auch wenn Sie verunsichert sind. Manchmal ist eine weitergeführte Therapie unter ärztlicher Kontrolle vernünftiger als ein abruptes Stoppen, das den Hautzustand verschlechtert.


Sanft, bewusst, reduziert: Praxistipps für Ihre Pflegeroutine

  • Auf das Wesentliche konzentrieren: Milde Reinigung, eine gut verträgliche Feuchtigkeitspflege und ein passender Sonnenschutz reichen als Basis völlig aus.
  • Inhaltsstofflisten gezielt prüfen: Achten Sie vor allem auf bekannte kritische Gruppen: Retinoide, hochkonzentrierte Säuren, bestimmte UV-Filter, einige Konservierungsstoffe und stark parfümierte Produkte.
  • Hautreaktionen ernst nehmen: Rötungen, Brennen, starke Trockenheit oder Juckreiz sind Signale. Wenn ein Produkt plötzlich nicht mehr gut toleriert wird, lieber pausieren und gegebenenfalls nachfragen.
  • Fachliche Beratung nutzen: Nehmen Sie Ihre Lieblingsprodukte mit zum Termin in der Gynäkologie oder Dermatologie. So lassen sich konkrete Inhaltsstoffe und Alternativen besprechen.
  • Duft und „Power-Wirkstoffe“ herunterfahren: Weniger Parfum und weniger komplexe Wirkstoffmischungen sind in dieser Phase oft angenehmer – für die Haut und für den Kopf.

Kurz zusammengefasst

In Schwangerschaft und Stillzeit lohnt sich ein kritischer Blick auf die Beautyroutine. Zurückhaltung ist vor allem bei Vitamin-A-Derivaten, sehr hoch dosierten Säuren, bestimmten chemischen UV-Filtern, ausgewählten Konservierungsstoffen und stark bedufteten Produkten empfehlenswert.

Das bedeutet nicht, dass jede Berührung mit diesen Stoffen automatisch schädlich ist. Es geht darum, vermeidbare Risiken zu reduzieren und die Routine so einfach und gut verträglich wie möglich zu gestalten – idealerweise begleitet durch ärztlichen Rat, wenn Unsicherheit besteht.


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