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Was sind Probiotika, Präbiotika und Postbiotika in Hautpflegeprodukten und wofür sind sie gut?

Probiotika, Präbiotika, Postbiotika: Was hinter dem Hautpflege-Trend wirklich steckt

Probiotische Hautpflege ist kein kurzer Marketing-Ausflug mehr, sondern etabliert sich zunehmend als eigene Kategorie. Auf Verpackungen tauchen Schlagworte wie Probiotika, Präbiotika oder Postbiotika inzwischen fast so selbstverständlich auf wie „Hyaluron“ oder „Vitamin C“. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was diese Begriffe konkret bedeuten – und ob sich der Hype für die eigene Haut überhaupt lohnt.

Im Folgenden finden Sie eine nüchterne Einordnung: Was steckt hinter den Konzepten, was ist sinnvoll, wo wird übertrieben – und wie lassen sich solche Produkte tatsächlich klug einsetzen?


Die Haut als Ökosystem: Warum der Fokus auf das Mikrobiom immer wichtiger wird

Die Haut ist nicht einfach nur eine Hülle, sondern ein dicht besiedeltes Ökosystem. Auf ihr leben Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen – zusammen bildet dieses Geflecht das sogenannte Hautmikrobiom. Es ist weder „schmutzig“ noch ein Problem, sondern ein essenzieller Teil des Schutzsystems der Haut.

Ein ausgewogenes Mikrobiom hilft dabei,

  • die Hautbarriere zu stabilisieren,
  • den pH-Wert in einem hautfreundlichen Bereich zu halten,
  • und krankmachende Keime in Schach zu halten.

Gerät dieses Gleichgewicht aus der Bahn – etwa durch aggressive Reinigung, übermäßige Peelings, trockene Heizungsluft, UV-Strahlung oder sehr austrocknende Pflege – reagiert die Haut oft empfindlicher. Typische Folgen: Trockenheit, Spannungsgefühl, Rötungen, häufiger „Stich“ bei neuen Produkten.

Genau an dieser Stelle setzen Pro-, Prä- und Postbiotika an. Sie sollen Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die „guten“ Mitbewohner auf der Haut sich wohler fühlen und die Barriere besser arbeiten kann.


Pro-, Prä-, Postbiotika: Was genau steckt hinter den Begriffen?

Probiotika: Lebende Bakterien – aber kaum in Ihrer Creme

Aus der Ernährung kennen wir Probiotika als lebende Mikroorganismen, die – in ausreichender Menge aufgenommen – gesundheitliche Effekte haben können. Auf Joghurtbechern und Nahrungsergänzungen wird das offensiv beworben.

In Cremes und Seren sieht das anders aus:
Lebende Bakterien sind in der Formulierung und Haltbarkeit eines Kosmetikprodukts schwer zu kontrollieren. Deshalb werden in der Hautpflege meist keine wirklich lebenden Kulturen eingesetzt, sondern:

  • inaktivierte (abgetötete) Bakterien oder
  • bestimmte Bestandteile von Bakterien (z. B. Zellfragmente, Lysate).

Trotzdem laufen solche Ansätze oft unter dem Etikett „probiotisch“. Diese bakteriellen Bestandteile können Signale an die Haut senden, die ihre Schutz- und Abwehrmechanismen unterstützen. Was sie genau bewirken, hängt stark davon ab,

  • um welchen Bakterienstamm es sich handelt,
  • in welcher Form er verarbeitet wurde,
  • und wie das Produkt insgesamt formuliert ist.

Verallgemeinerungen á la „Probiotika machen jede Haut gesund“ sind deshalb schlicht zu grob.

Präbiotika: Futter für nützliche Hautbakterien

Präbiotika sind keine lebenden Organismen, sondern Substanzen, die bestimmten Mikroorganismen als Nahrungsquelle dienen. Im Darmbereich sind etwa Inulin oder Oligofruktose bekannt – auf der Haut funktioniert das Prinzip ähnlich.

In der Kosmetik sind präbiotische Inhaltsstoffe zum Beispiel:

  • bestimmte Zucker oder Zuckerverbindungen,
  • Faserstoffe, die das Wachstum bestimmter Bakterien fördern.

Sie sollen die „guten“ Bewohner der Haut begünstigen und dadurch die weniger erwünschten Keime indirekt zurückdrängen. Ziel ist ein vielfältiges, stabiles Mikrobiom – nicht die sterile „Keimfreiheit“, die die Haut letztlich eher schwächt.

Postbiotika: Stoffwechselprodukte mit Pflegepotenzial

Postbiotika sind Stoffwechselprodukte oder Bestandteile von Mikroorganismen, etwa:

  • organische Säuren,
  • Peptide,
  • bestimmte Fermentationsprodukte.

Sie sind nicht lebendig, können aber mit der Haut interagieren und Signalwege beeinflussen. In Studien wird unter anderem untersucht, ob solche Stoffe:

  • die Hautbarriere stärken,
  • Rötungen mildern,
  • die Haut geschmeidiger und widerstandsfähiger machen.

Auch hier gilt: Wirkung ist immer substanz- und dosisabhängig. Ein „postbiotischer“ Wirkstoff im Labor ist das eine, eine stabile, gut formulierte Creme mit belegbarem Effekt das andere. Seriöse Kommunikation spricht von „kann unterstützen“ und nicht von „beseitigt garantiert…“.


Typische Stolperfallen: Was Sie bei „biotischer“ Hautpflege nicht erwarten sollten

Der Begriff „biotisch“ klingt fortschrittlich, fast medizinisch. Das lädt zu überzogenen Erwartungen ein. Ein paar Punkte, die man im Hinterkopf behalten sollte:

  • Kein Allheilmittel
    Pro-, Prä- und Postbiotika können ein sinnvoller Baustein sein, ersetzen aber weder Sonnenschutz noch eine solide Basisroutine. Ohne UV-Schutz, milde Reinigung und ausreichende Feuchtigkeitspflege verpuffen viele Effekte.

  • „Je mehr Biotika, desto besser“ – eher nicht
    Eine lange INCI-Liste mit möglichst vielen „-biotischen“ Schlagworten ist kein Qualitätsgarant. Entscheidend sind stimmige Formulierungen, passende Konzentrationen und eine insgesamt verträgliche Rezeptur.

  • Ergebnisse brauchen Zeit
    Veränderungen im Mikrobiom oder an der Barriere zeigen sich selten über Nacht. Ein realistischer Zeitraum sind mehrere Wochen konsequente Anwendung. Wer nach drei Tagen ein Wunder erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht.

  • „Natürliche Bakterien, also super verträglich“ – ein Trugschluss
    Auch biotisch formulierte Produkte können irritieren, gerade bei sehr sensibler, bereits gestresster Haut. Reizungen sind nicht ausgeschlossen, nur weil die Marketing-Sprache „sanft“ und „natürlich“ verspricht.


Wie Sie biotische Produkte sinnvoll in Ihre Routine einbauen

Wenn Sie Pro-, Prä- oder Postbiotika ausprobieren möchten, muss nicht gleich das komplette Badezimmer ausgetauscht werden. Ein strukturierter Ansatz hilft, den Überblick zu behalten und die Haut nicht zu überfordern.

  1. Basis klären
    Bevor Spezialprodukte dazukommen, sollten zwei Dinge stehen:

    • eine milde, nicht austrocknende Reinigung,
    • eine gut verträgliche Feuchtigkeitspflege.
      Biotische Produkte können nur dann sinnvoll unterstützen, wenn die Haut nicht ständig „gegen“ aggressive Routinen anarbeiten muss.
  2. Langsam einführen
    Starten Sie mit einem Produkt – etwa einem Serum oder einer Creme – und geben Sie diesem einige Wochen Zeit. So lässt sich besser einschätzen, ob Veränderungen (positiv oder negativ) wirklich damit zusammenhängen oder zufällig auftreten.

  3. Auf Kombinationen achten
    Starke chemische Peelings, hoch dosierte Säuren oder unbedacht eingesetztes Retinol können das Mikrobiom irritieren. In Kombination mit biotischer Pflege lohnt sich oft ein moderater Ansatz:

    • Wirkstoffe nach Bedarf,
    • Pausen einplanen,
    • lieber etwas weniger, dafür konsequent.
  4. Hautbeobachtung statt Wunschdenken
    Sinnvolle Beobachtungspunkte sind:

    • weniger Spannungsgefühl,
    • reduziertes Brennen bei anderen Produkten,
    • ruhigeres, weniger fleckiges Hautbild.
      Treten stattdessen anhaltende Rötungen, Brennen oder Juckreiz auf, ist Absetzen die bessere Option als Durchhalten um jeden Preis.

Kurz zusammengefasst

Probiotika, Präbiotika und Postbiotika in Hautpflege zielen darauf ab, das natürliche Ökosystem der Haut zu unterstützen – nicht es zu ersetzen.

  • Probiotische Ansätze arbeiten in der Praxis meist mit inaktivierten Bakterien oder deren Bestandteilen.
  • Präbiotika dienen als „Nahrung“ für nützliche Mikroorganismen und sollen deren Wachstum fördern.
  • Postbiotika sind Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen, die bestimmte Hautprozesse positiv beeinflussen können.

Sie können helfen, die Barriere zu stabilisieren und das Gleichgewicht des Mikrobioms zu unterstützen, sind aber keine Wundermittel. Ihren größten Nutzen entfalten sie eingebettet in eine insgesamt sanfte, durchdachte Pflegeroutine mit konsequentem Sonnenschutz.


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