Telefon 0662 / 26126083
Was bedeuten INCI-Listen und wie lese ich sie richtig?

INCI-Liste auf Kosmetik: Was wirklich dahintersteckt – und wie Sie sie lesen

Auf Kosmetikverpackungen wird viel versprochen – glatter, straffer, reiner. Wie realistisch das ist, steht allerdings nicht auf der Vorderseite, sondern im Kleingedruckten: in der INCI-Liste. Wer wissen will, was tatsächlich auf der eigenen Haut landet, kommt um diese Bezeichnungen nicht herum. Im Folgenden geht es darum, was INCI genau ist, wie Sie die Reihenfolge der Inhaltsstoffe sinnvoll einordnen und worauf Sie im Alltag achten können – ohne sich in Chemie vertiefen zu müssen.


Was INCI-Listen überhaupt sind – und warum es sie gibt

INCI steht für „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“, also ein einheitliches System zur Benennung von Inhaltsstoffen in Kosmetikprodukten.

Die wichtigsten Punkte in Kürze:

  • INCI ist international standardisiert
  • In vielen Ländern ist die Angabe gesetzlich vorgeschrieben
  • Ziel ist Transparenz: Alle Inhaltsstoffe eines Produkts müssen aufgeführt werden
  • So können Sie Produkte vergleichen und problematische oder unerwünschte Stoffe identifizieren

Wichtig ist eine Einschränkung: Die INCI-Liste sagt nichts darüber, ob ein Produkt „gut“ oder „schlecht“ formuliert ist. Sie zeigt lediglich, was enthalten ist – nicht, wie die Bestandteile zusammenspielen oder wie effektiv die Rezeptur am Ende ist.


Schritt für Schritt: So lesen Sie eine INCI-Liste richtig

Auch wenn eine INCI-Liste auf den ersten Blick wie ein Fremdsprachenlexikon wirkt, folgt sie festen Regeln.

1. Reihenfolge nach Menge
Die Inhaltsstoffe sind in absteigender Konzentration aufgeführt:

  • Die ersten 3–5 Positionen machen meist den größten Anteil des Produkts aus
  • Alle Stoffe unter 1 % dürfen in beliebiger Reihenfolge am Ende der Liste stehen

Was heißt das konkret?
Die ersten Positionen entscheiden wesentlich über Charakter und Wirkung des Produkts: Textur, Hautgefühl, Basispflege. Stoffe ganz am Ende tauchen häufig nur in Spuren auf – zum Beispiel Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Farbpigmente. Sie können trotzdem relevant sein, etwa bei Allergien, sind aber mengenmäßig meist gering.

2. Sprachen: Latein, Englisch – oder beides

  • Pflanzliche Bestandteile werden in der Regel mit lateinischem Namen angegeben, oft mit Zusätzen wie „… Extract“ oder „… Oil“
  • Synthetische Stoffe erscheinen überwiegend auf Englisch
  • Wasser heißt auf INCI-Listen „Aqua“

3. Duft- und Farbstoffe erkennen

  • Duftstoffe finden Sie häufig unter „Parfum“ oder als einzelne Duftkomponenten, nicht selten mit Endungen wie „-ol“, „-al“ oder „-one“
  • Farbstoffe sind meist mit „CI“ und einer Zahl gekennzeichnet („Color Index“)

4. Allergene und sensible Komponenten
Bestimmte Duftstoffe gelten als potenzielle Allergene. Ab einer bestimmten Konzentration müssen sie einzeln genannt werden. Empfindliche Hauttypen können so gezielt prüfen, ob bekannte Auslöser enthalten sind.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

1. „Natürlich“ heißt nicht automatisch verträglich
Pflanzliche Inhaltsstoffe klingen angenehm und unbedenklich, können aber genauso reizen wie synthetische. Der INCI-Name allein gibt keine Garantie für gute Verträglichkeit bei jeder Haut.

2. Ein Produkt nicht auf einen einzigen Stoff reduzieren
Ein „kritischer“ Inhaltsstoff macht ein Produkt nicht automatisch unbrauchbar – genauso wenig macht ein trendiger Wirkstoff eine schwache Formulierung besser. Entscheidend ist, wie die gesamte Rezeptur aufgebaut ist und in welcher Konzentration die einzelnen Bestandteile vorliegen.

3. Winzige Mengen nicht überinterpretieren
Wenn ein Wirkstoff ganz am Ende der Liste auftaucht, ist er meist nur in sehr geringer Dosis enthalten. Das kann ausreichend sein – muss es aber nicht. Werbefreundliche Wirkstoffe werden manchmal eher symbolisch beigemischt.

4. Komplexe Namen nicht reflexartig als „schlecht“ einstufen
Chemische Bezeichnungen wirken sperrig, sind aber nicht automatisch bedenklich. Viele dieser Stoffe sind harmlose Feuchthaltemittel, Stabilisatoren, Emulgatoren oder Konservierungsmittel, die dafür sorgen, dass das Produkt überhaupt sicher und gebrauchstauglich ist.


Praktische Orientierung: Worauf Sie beim Lesen konkret achten können

Sie müssen keine Liste auswendig lernen, um sinnvollere Entscheidungen zu treffen. Ein paar gezielte Beobachtungen reichen oft aus:

  • Blick auf die ersten Positionen
    Welche Basis trägt das Produkt? Wasser, Öle, Silikone, Feuchthaltemittel – diese bestimmen Haptik, Verträglichkeit und Einsatzbereich stark.

  • Eigene Hautbedürfnisse kennen
    Bei empfindlicher oder zu Rötungen neigender Haut kann es sinnvoll sein, Produkte mit vielen Duftstoffen oder höheren Alkoholmengen zu meiden. Trockene Haut profitiert eher von rückfettenden Komponenten und okklusiven Stoffen.

  • Konsistenz und Hauttyp abgleichen
    Öllastige, reichhaltige Formulierungen passen meist besser zu trockener oder reifer Haut. Leichte, wässrige oder gelartige Texturen sind oft angenehmer bei fettiger oder Mischhaut.

  • Reaktionen konsequent beobachten
    Wenn Ihre Haut wiederholt auf ein Produkt reagiert, lohnt es sich, die INCI-Liste zu vergleichen: Welche Inhaltsstoffe tauchen bei problematischen Produkten immer wieder auf? So kommen Sie Ihren persönlichen Reizstoffen nach und nach auf die Spur.

  • Neutrale Informationsquellen nutzen
    Öffentliche Datenbanken, Verbraucherportale oder Fachseiten erklären einzelne INCI-Begriffe meist sachlich und ohne Dramatisierung. Das ist hilfreicher, als sich an Marketingversprechen oder alarmistischen Schlagzeilen zu orientieren.


Kurz zusammengefasst

INCI-Listen sind das Zutatenverzeichnis Ihrer Kosmetik – standardisiert, geregelt und für alle Produkte nach demselben Muster aufgebaut. Die Reihenfolge verrät, welche Stoffe in größerer Menge enthalten sind; pflanzliche Bestandteile stehen meist mit lateinischem Namen, synthetische Wirkstoffe überwiegend auf Englisch. Sie müssen nicht jede Substanz kennen. Wer die ersten Positionen prüft, auf Duftstoffe achtet und die eigenen Hautreaktionen ernst nimmt, kann Produkte deutlich bewusster auswählen.


Ähnliche Fragen