Wie wasserfest ist „wasserfest“? Was Sonnenschutz beim Schwimmen wirklich leistet
Wasserfeste Sonnencremes klingen nach der idealen Lösung für Pool, Meer und Sport. Der Begriff weckt schnell die Erwartung: einmal eincremen, den Rest des Tages geschützt sein. Genau das leisten diese Produkte aber nicht. „Wasserfest“ heißt weder „unkaputtbar“ noch „nachcremen überflüssig“.
Im Folgenden geht es darum, was Wasserfestigkeit bei Sonnenschutzmitteln tatsächlich bedeutet, wie lange der Schutz im Wasser realistisch anhält und worauf Sie bei Schwimmen und Sport achten sollten. Mit diesem Wissen lässt sich die eigene Haut im Alltag deutlich besser schützen – ohne sich in falscher Sicherheit zu wiegen.
Was „wasserfest“ bei Sonnencreme offiziell bedeutet
In vielen Ländern ist klar geregelt, was auf einem Sonnenschutzprodukt stehen darf. „Wasserfest“ ist kein Werbefantasiebegriff, sondern an bestimmte Testbedingungen geknüpft. Die klingen auf dem Papier beeindruckender, als sie es in der Realität oft sind.
Typischerweise gilt:
- „wasserfest“: Nach 2 × 20 Minuten im Wasser muss noch mindestens die Hälfte des ursprünglichen UV-Schutzes vorhanden sein.
- „extra wasserfest“: Nach 4 × 20 Minuten im Wasser muss noch mindestens die Hälfte des UV-Schutzes bestehen.
Wichtig: Zwischen diesen Wasserphasen wird die Haut in den Tests jeweils wieder getrocknet.
Ein paar Punkte, die dabei leicht untergehen:
- Die Prüfungen beziehen sich in der Regel auf den UVB-Schutz (also den SPF). Der UVA-Schutz ist damit nicht automatisch im gleichen Maß mitgemeint.
- Getestet wird unter standardisierten Laborbedingungen: stilles Wasser, festgelegte Zeiten, keine Wellen, kein Sand, kein Abrieb durch Handtücher oder Kleidung.
- Im Alltag sieht das anders aus: Salzwasser, Chlor, längere Aufenthalte im Wasser, Rutschen, Spielen, Schwitzen, Sand und Handtücher setzen der Schutzschicht deutlich stärker zu.
Unterm Strich: Wasserfeste Sonnencremes behalten im Test nachweislich noch Schutz, aber nicht den vollen Schutz. Und im echten Leben liegt der verbleibende Schutz häufig unter dem, was viele Nutzer innerlich voraussetzen.
So nutzen Sie wasserfeste Sonnencreme beim Schwimmen sinnvoll
Wasserfeste Formulierungen können viel leisten – aber nur, wenn die Anwendung halbwegs stimmt. Der beste Filter hilft wenig, wenn er in zu dünner Schicht auf der Haut liegt oder gleich wieder abgerubbelt wird.
1. Genug Produkt auftragen
Die meisten tragen zu wenig auf und wundern sich dann über Sonnenbrand trotz „hohem SPF“. Als grobe Orientierung:
- Für den Körper eines Erwachsenen: etwa 30–40 ml pro Anwendung.
- Für das Gesicht: ungefähr ein guter Teelöffel.
Nur diese Mengen erreichen in etwa den Schutz, der auf der Verpackung steht.
2. Nicht in letzter Sekunde eincremen
- Sonnencreme etwa 20–30 Minuten vor dem Baden oder Sport auftragen.
- So kann sich der Film gleichmäßiger auf der Haut verteilen und besser haften, bevor Wasser oder Schweiß dazukommen.
3. Nach dem Baden wirklich nachcremen
Empfehlenswert ist:
- Nach längeren Schwimmeinheiten nachcremen.
- Nach jedem Abtrocknen mit dem Handtuch nachcremen, weil dabei viel Produkt mechanisch entfernt wird.
- Bei starkem Schwitzen die Schutzschicht ebenfalls regelmäßig erneuern.
4. Schweiß zählt wie Wasser
Intensiver Sport im Freien kann den Sonnenschutz ähnlich stark lösen wie ein Bad im Meer – besonders an Stellen wie Stirn, Nacken, Dekolleté oder Rücken. Auch hier hilft nur: nachlegen, wenn es länger und intensiver wird.
Typische Fehlannahmen rund um wasserfeste Sonnencremes
Viele Sonnenbrände entstehen, obwohl „wasserfeste“ Produkte im Spiel waren. Meist liegt das nicht an der Creme, sondern an den Erwartungen.
„Wasserfest“ = hält den ganzen Tag
Der Schutz nimmt kontinuierlich ab – durch Wasser, Schweiß, Reibung, Kleidung und den natürlichen Abbau der UV-Filter. Ein kompletter Strandtag mit nur einem Auftrag ist ein Wunschbild, kein realistisches Szenario.
Einmal morgens reicht, selbst bei viel Sport
Wer in der Sonne trainiert, vor allem um die Mittagszeit, braucht mehr als einen morgendlichen Auftrag – unabhängig davon, wie wasserfest das Produkt beworben wird.
Hoher SPF bedeutet: seltener nachcremen
Der Lichtschutzfaktor beschreibt die Stärke des Schutzes, nicht die Haltbarkeit. SPF 50 hält nicht „länger“ als SPF 30, sondern blockt pro Zeiteinheit mehr UVB-Strahlung. Bei Wasser, Schweiß und Reibung müssen alle Produkte nachgelegt werden.
Sonnenbrand gibt es nur im Wasser oder direkt in der Sonne
Die Situation am Wasser ist tückisch: Reflexion durch Wasseroberfläche, helle Fliesen, Sand oder Bootsrümpfe verstärkt die Strahlung. Dazu kommt: Auch im Schatten und bei Bewölkung trifft UV-Strahlung auf die Haut – nur abgeschwächt, nicht aufgehoben.
Clevere Strategien für besseren Schutz bei Wasser und Sport
Mit ein paar einfachen Routinen lässt sich der Sonnenschutz im Alltag deutlich verbessern, ohne dass man sich ständig komplett eincremen muss.
Textilien und Sonnencreme kombinieren
UV-Shirts, Badeleggings, Caps und Sonnenbrillen nehmen der Haut viel Fläche ab, die ansonsten ständig nachgecremt werden müsste. Das ist gerade bei Kindern, empfindlicher Haut oder langen Tagen am Wasser sinnvoll.
Kritische Zonen nicht vergessen
Typische Problemstellen beim Schwimmen: Gesicht, Ohren, Nacken, Schultern, Dekolleté, Fußrücken und Handrücken. Diese Bereiche werden oft übersehen, bekommen aber viel Sonne ab.
Mittagssonne nach Möglichkeit meiden
Zwischen etwa 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten. Wer in dieser Zeit immer wieder in den Schatten wechselt oder eine Pause einlegt, senkt die Gesamtbelastung deutlich – und entlastet die Sonnencreme.
Nach dem Baden: eher abtupfen als rubbeln
Wenn es sich einrichten lässt, die Haut eher sanft abtupfen statt kräftig trockenrubbeln. Das schont den verbliebenen Schutzfilm. Nachcremen bleibt trotzdem wichtig, aber man startet nicht bei null.
Kurz zusammengefasst
Wasserfeste Sonnencremes sind robuste Alltagshelfer, aber kein Freifahrtschein für „eincremen und vergessen“. Die Bezeichnung „wasserfest“ bedeutet: Unter definierten Testbedingungen bleibt nach einer bestimmten Zeit im Wasser noch ein relevanter Restschutz erhalten – nicht, dass der ursprüngliche Schutz vollständig bestehen bleibt.
In der Praxis heißt das: großzügig auftragen, rechtzeitig vor Wasser und Sport, bei längeren Wasseraufenthalten, starkem Schwitzen und nach dem Abtrocknen nachcremen. Dazu so viel wie möglich über Kleidung, Schatten und Pausen abfangen. Wer das beherzigt, nutzt wasserfeste Formulierungen sinnvoll, ohne sich auf ein Versprechen zu verlassen, das sie gar nicht geben.