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Wie erkenne ich Greenwashing bei Pflegekosmetik und worauf sollte ich bei Werbeaussagen achten?

Grüne Versprechen im Check: So erkennen Sie Greenwashing bei Pflegekosmetik

„Natürlich“, „clean“, „grün“ – Pflegeprodukte wirken heute oft deutlich nachhaltiger, als sie sind. Viele Menschen möchten Umwelt und Gesundheit berücksichtigen, gleichzeitig ist der Beauty-Markt unübersichtlich wie nie. In diesem Artikel geht es darum, wie Sie Greenwashing erkennen, welche Aussagen besonders kritisch sind und wie Sie zu belastbaren Entscheidungen kommen. Ziel ist nicht, alles perfekt zu machen, sondern die hübsch verpackten Versprechen besser einordnen zu können.


Wenn Kosmetik plötzlich „grün“ wird: Was hinter Greenwashing steckt

Greenwashing bedeutet, dass Produkte gezielt einen „natürlichen“, „umweltfreundlichen“ oder „nachhaltigen“ Eindruck erwecken, der so nicht oder nur teilweise stimmt. Häufig wird ein positiver Aspekt groß herausgestellt, während weniger vorteilhafte Seiten unter den Tisch fallen.

Typische Strategien:

  • Naturbilder und -farben
    Blätter, Wasser, Holzoptik, Recycling-Symbole oder erdige Töne sollen unterschwellig „nachhaltig“ signalisieren – selbst dann, wenn die Rezeptur kaum anders ist als bei klassischer Kosmetik.

  • Vage Begriffe ohne klare Definition
    Begriffe wie „natürlich“, „pure“, „clean“, „sanft“ oder „frei von Chemie“ klingen beruhigend, sind aber rechtlich oft kaum geregelt. Sie sagen wenig darüber aus, wie umweltfreundlich ein Produkt ist oder wie gut es untersucht wurde.

  • Betonung von Selbstverständlichkeiten
    Wenn mit Eigenschaften geworben wird, die ohnehin gesetzlich vorgeschrieben sind, wirkt ein Produkt automatisch „besser“, ohne inhaltlich mehr zu bieten.

Wichtig: Kosmetik muss in der EU strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen. „Natürlich“ ist weder automatisch besser noch sicherer – und „synthetisch“ nicht per se problematisch.


So prüfen Sie Werbeaussagen Schritt für Schritt

1. Blick aufs Etikett statt aufs Versprechen

Schauen Sie nicht nur auf die Vorderseite mit Naturbild und Slogan, sondern vor allem auf die Rückseite:

  • INCI-Liste (Inhaltsstoffe): Wird ein pflanzlicher Wirkstoff groß auf der Vorderseite beworben, taucht aber erst weit hinten in der INCI-Liste auf, ist er meist nur in sehr geringer Menge enthalten.
  • Grobe Faustregel: Je weiter vorne ein Stoff steht, desto höher ist sein Anteil (auch wenn ab einem bestimmten Punkt nur noch Kleinstmengen gelistet werden).

2. Vorsicht bei „frei von“-Aussagen

„Ohne …“-Formulierungen sollen Sicherheit vermitteln, spielen aber oft mit diffusen Ängsten. Überlegen Sie:

  • Ist dieser Stoff in vergleichbaren Produkten überhaupt üblich?
  • Gibt es belastbare Empfehlungen oder Verbote – oder wird nur ein Trend aufgegriffen?

Manche „frei von“-Hinweise klären nicht auf, sondern verunsichern eher.

3. Auf nachvollziehbare, konkrete Angaben achten

Verlässlicher wirken Aussagen, die:

  • konkret sind („X % der Inhaltsstoffe sind pflanzlichen Ursprungs“)
  • überprüfbar sind (z. B. durch anerkannte Zertifizierungen oder klar definierte Standards)
  • maßvoll formuliert sind (keine Versprechen, die Wunder androhen)

Je schwammiger eine Aussage, desto eher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

1. „Natürliche Inhaltsstoffe“ mit Mini-Anteil
Ein Hauch Pflanzenextrakt macht aus einem Produkt noch keine „Naturkosmetik“. Prüfen Sie, wo dieser Stoff in der INCI-Liste steht.

2. „Dermatologisch getestet“ als Qualitätssiegel
Dass getestet wurde, ist Standard und sagt weder etwas über die Art des Tests noch über das Ergebnis aus. Die Formulierung klingt vertrauenerweckend, ist aber inhaltlich fast leer.

3. „Klimafreundlich“ oder „umweltschonend“ ohne Details
Ohne konkrete Angaben dazu, was gemeint ist – etwa CO₂-Kompensation, recycelte Verpackung oder bestimmte Produktionsstandards – bleibt es eine Behauptung.

4. Verwechslung von Natur und Hautverträglichkeit
Pflanzliche Inhaltsstoffe können die Haut reizen, Allergien auslösen oder fototoxisch wirken. „Natürlich“ sagt nichts darüber, ob Ihre Haut ein Produkt gut verträgt.


Praktische Orientierung: Worauf Sie im Alltag wirklich achten können

  • Wenige Kriterien, dafür konsequent
    Wählen Sie ein paar Punkte, die Ihnen wichtig sind, etwa Inhaltsstoffe, Verpackungsart, Nachfüllmöglichkeiten oder Herkunft bzw. Transportwege – und orientieren Sie sich daran.

  • Klare Informationen bevorzugen
    Prozentangaben, nachvollziehbare Angaben zur Herkunft oder Verarbeitung und transparente Inhaltsstofflisten sind hilfreicher als Schlagworte und Stimmungsbilder.

  • Unabhängige Quellen nutzen
    Verbraucherorganisationen, öffentliche Datenbanken zu Inhaltsstoffen und fachlich seriöse Portale helfen, Werbeaussagen einzuordnen.

  • Vergleichen statt nur auf den ersten Eindruck reagieren
    Zwei scheinbar ähnliche Produkte können sich deutlich in Rezeptur, Umweltbilanz und Transparenz unterscheiden. Ein kurzer Vergleich spart langfristig Enttäuschungen.

  • Realistische Erwartungen behalten
    Es gibt kein vollständig „perfektes“ Produkt. Aber schon einzelne bewusstere Entscheidungen – etwa bei Produkten, die Sie täglich verwenden – machen einen Unterschied, ohne dass Sie Ihr ganzes Badezimmer auf einmal umstellen müssen.


Kurz zusammengefasst

Greenwashing in der Pflegekosmetik arbeitet mit Bildern, Emotionen und unpräzisen Begriffen. Entscheidend ist nicht, wie „grün“ ein Produkt aussieht, sondern was sich an Informationen tatsächlich dahinter verbirgt. Wenn Sie Werbeversprechen hinterfragen, Inhaltsstoffe lesen und auf konkrete statt vage Angaben achten, treffen Sie fundiertere Entscheidungen – und lassen sich weniger von grünem Anstrich leiten.


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