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Welche Verantwortung haben Kosmetikmarken im Umgang mit Wasserknappheit, wenn für Rohstoffe oder Produktion viel Wasser benötigt wird?

Schönheitsindustrie im Zeichen der Wasserknappheit: Welche Verantwortung tragen Kosmetikmarken?

Wasserknappheit ist kein theoretisches Zukunftsszenario mehr, sondern für viele Regionen längst Alltag. Gleichzeitig gehört Wasser zu den zentralen Ressourcen der Kosmetik – von der Rohstoffgewinnung über die Formulierung bis hin zur Produktion. Wie sorgfältig Marken mit dieser Ressource umgehen, ist damit keine Randnotiz, sondern eine Kernfrage moderner Nachhaltigkeit.
Im Folgenden geht es darum, welche Verantwortung Kosmetikunternehmen tragen, wo die größten Hebel liegen – und woran Sie als Konsumentin oder Konsument seriöses Engagement erkennen können.


Warum Wasser in der Kosmetikbranche eine Schlüsselfrage ist

Kaum ein Bereich der Kosmetik kommt ohne Wasser aus. Es ist:

  • Bestandteil vieler Formulierungen
  • notwendig fürs Reinigen, Waschen und Kühlen in der Herstellung
  • entscheidend beim Anbau pflanzlicher Rohstoffe

In Regionen mit Wasserstress kann ein hoher Wasserverbrauch der Industrie die Lage vor Ort deutlich verschärfen – etwa im Konflikt mit Landwirtschaft oder Trinkwasserversorgung. Organisationen wie die Vereinten Nationen und unabhängige Umweltverbände verweisen seit Jahren darauf, dass Unternehmen hier eine besondere Sorgfaltspflicht haben.

Daraus ergibt sich für Kosmetikmarken eine recht klare Aufgabe: Sie müssen ihren Wasserverbrauch kennen, senken und offenlegen – und dabei die Folgen für Menschen und Ökosysteme mitdenken, statt nur auf einzelne Kennzahlen zu schauen.


Wo die Verantwortung beginnt: Von der Quelle bis ins Badezimmer

Verantwortung setzt weit früher an als am Werkstor – und endet nicht mit dem Regalplatz im Handel.

1. Rohstoffgewinnung:
Viele pflanzliche Inhaltsstoffe sind in der Landwirtschaft ausgesprochen wasserintensiv. Marken tragen Verantwortung dafür, Lieferanten zu wählen, die Wasser angepasst an die lokalen Bedingungen und möglichst sparsam einsetzen. Dazu gehört auch, Anbaugebiete zu hinterfragen: Ist die Region bereits von Wasserknappheit betroffen, oder ist der Anbau dort langfristig vertretbar?

2. Herstellung und Produktion:
In der Produktion geht es um Effizienz und Technik: geschlossene Kreisläufe, moderne Reinigungsanlagen, Monitoring des Wasserverbrauchs. Unternehmen müssen vermeidbare Verluste konsequent reduzieren und vorhandene Einsparpotenziale tatsächlich nutzen, nicht nur in Strategiepapiere schreiben.

3. Produktdesign und Rezeptur:
Formate mit geringem Wasseranteil oder Konzentrate können den Wasserbedarf entlang der Wertschöpfung deutlich verringern. Verantwortungsvolles Design umfasst auch Verpackungen, die nicht indirekt zu höherem Wasserverbrauch in der Anwendung führen – etwa, weil sich ein Produkt schwer dosieren lässt oder überdosiert wird.

4. Soziale Dimension:
In wasserarmen Regionen sind Unternehmen mitverantwortlich dafür, dass ihre Aktivitäten die Wasserversorgung der Bevölkerung nicht verschlechtern. Das umfasst faire Verträge mit lokalen Partnern, Risikoanalysen und – im besten Fall – die Unterstützung von Projekten, die den Zugang zu sauberem Wasser verbessern.


Typische Versäumnisse – und warum sie problematisch sind

Trotz wachsender Aufmerksamkeit bleiben zentrale Schwachstellen bestehen:

  • Unvollständige Datenerfassung:
    Viele Unternehmen haben nur für ihre eigenen Werke genaue Zahlen, nicht aber für die vorgelagerten Stufen. Ohne Verständnis der gesamten Wertschöpfungskette lässt sich ein Wasserfußabdruck nicht seriös steuern.

  • Tunnelblick auf die eigene Fabrik:
    Ein Werk kann vorbildlich aufgestellt sein, während ein zentraler Rohstoff aus einer Region mit chronischer Wasserknappheit stammt. Verantwortliches Handeln endet nicht am Rand des Werksgeländes.

  • Vage Kommunikation:
    Aussagen wie „wasserschonende Produktion“ oder „nachhaltiger Umgang mit Ressourcen“ bleiben ohne konkrete Zahlen, Ziele und Maßnahmen wenig belastbar. Unschärfe schafft eher Misstrauen als Vertrauen.

  • Ignorieren lokaler Unterschiede:
    Ein bestimmter Wasserverbrauch kann in einer regenreichen Region vertretbar sein, in einem Gebiet mit dauerhaftem Wassermangel jedoch hochproblematisch. Diese geografische Perspektive fehlt in vielen Strategien.


Was verantwortungsvolle Kosmetikmarken konkret tun können

Glaubwürdigkeit zeigt sich nicht in Claims, sondern in überprüfbaren Schritten. Dazu gehören unter anderem:

  • Systematische Analyse des Wasserverbrauchs
    Erfassung des Wasserbedarfs über alle Stufen hinweg: Rohstoffe, Produktion, eventuell auch vorgelagerte Verarbeitung und Logistik. Viele Unternehmen nutzen dafür etablierte Standards der Umweltberichterstattung.

  • Reduktion und Wiederverwendung von Wasser
    Einsatz von Kreislaufsystemen, Aufbereitung und Wiederverwendung von Prozesswasser, Optimierung von Wasch- und Kühlprozessen. Ziel ist, Frischwasser dort einzusetzen, wo es tatsächlich unvermeidlich ist.

  • Bewusste Rohstoffstrategie
    Bevorzugung weniger wasserintensiver Rohstoffe oder Herkunftsregionen ohne akuten Wassermangel. Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben, die effiziente Bewässerungssysteme und angepasste Anbaumethoden nutzen.

  • Risikoprüfung in wasserarmen Regionen
    Vor einer Ansiedlung oder Ausweitung der Aktivitäten sollte klar sein, welche Folgen das für lokale Wasserressourcen haben kann – und welche Maßnahmen notwendig sind, um negative Effekte zu vermeiden.

  • Transparente Berichterstattung
    Veröffentlichung von Zielen, Kennzahlen und Fortschritten zum Wasserverbrauch im Rahmen von Nachhaltigkeitsberichten. So wird sichtbar, ob ein Unternehmen lediglich Versprechen formuliert oder sich messbar entwickelt.

  • Bewusstseinsbildung bei Konsumentinnen und Konsumenten
    Hinweise zur wasserbewussten Nutzung – etwa Dosierempfehlungen, Informationen zur Anwendung oder Tipps für die tägliche Routine – können den Wasserverbrauch im Gebrauch deutlich senken.


Kurz zusammengefasst

Kosmetikmarken tragen eine klare Verantwortung im Umgang mit Wasser – insbesondere dort, wo für Rohstoffe und Produktion große Mengen benötigt werden. Sie müssen ihren Verbrauch kennen, aktiv reduzieren und die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt berücksichtigen. Wer Wasser als begrenzte Ressource begreift, gestaltet Rohstoffe, Prozesse und Produkte entsprechend.
Für Sie als Verbraucherin oder Verbraucher ist transparente, nachvollziehbare Kommunikation ein wesentlicher Hinweis darauf, ob eine Marke dieser Verantwortung tatsächlich gerecht werden will – oder nur darüber spricht.


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