Duftstoffe & Alkohol in der Hautpflege – wie schädlich sind sie wirklich?
Cremes, Seren und Toner kommen selten ohne Duftstoffe oder Alkohol aus – und mindestens genauso präsent sind Warnungen davor. Zwischen „immer schädlich“ und „völlig unbedenklich“ liegt allerdings einiges an Zwischentönen. In diesem Text geht es darum, welche Arten von Alkohol es überhaupt gibt, wie Duftstoffe auf die Haut wirken und in welchen Fällen man genauer hinschauen sollte. So lässt sich besser einschätzen, was in Ihrer Pflegeroutine wirklich sinnvoll ist – und was eher Ballast.
Was hinter den Begriffen „Parfum“ und „Alkohol“ in der INCI-Liste steckt
Steht in der INCI-Liste „Parfum“, verbirgt sich dahinter keine einzelne Substanz, sondern ein Gemisch aus unterschiedlichen Duftstoffen. Das können natürliche ätherische Öle sein oder synthetische Duftmoleküle. Einige davon gelten als typische Auslöser für Irritationen oder Kontaktallergien. Deshalb müssen bestimmte Duftstoffe in der EU ab einer gewissen Konzentration separat ausgewiesen werden.
Auch „Alkohol“ ist kein eindeutiger Stoffname, sondern eher eine Stoffgruppe. Grob lassen sich zwei Lager unterscheiden:
Kurzkettige Alkohole wie Alcohol, Alcohol denat., Ethanol, Isopropyl Alcohol
Sie verdunsten schnell, lösen Fette, können austrocknend wirken und die Hautbarriere schwächen – vor allem, wenn sie weit vorne in der INCI-Liste stehen oder in mehreren Produkten gleichzeitig vorkommen.
Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol, Stearyl Alcohol
Sie sind wachsartig, eher fest, stabilisieren Emulsionen, verbessern die Textur und gelten im Allgemeinen als gut verträglich. Viele Menschen empfinden sie sogar als leicht pflegend und glättend.
Entscheidend ist also nicht das Wort „Alkohol“ an sich, sondern die konkrete Sorte, die Menge und der Kontext: Hauttyp, bestehende Empfindlichkeiten und wie viele potenziell reizende Stoffe insgesamt aufeinandertreffen.
Wie Sie Duftstoffe und Alkohol in Ihrer Routine sinnvoll einordnen
Menschen mit robuster, eher unkomplizierter Haut vertragen geringe Mengen Duftstoffe und kurzkettige Alkohole meist problemlos – besonders in Produkten, die wieder abgewaschen werden, etwa Reinigern oder Duschgels.
Anders sieht es aus bei:
- sehr empfindlicher, schnell gereizter Haut
- trockener, deutlich feuchtigkeitsarmer Haut
- zu Rötungen und Couperose neigender Haut
- bereits bekannter Duftstoff- oder Kontaktallergie
Dann kann es sinnvoll sein, gerade bei Leave-on-Produkten (Seren, Cremes, Augenpflege) auf möglichst reizarm formulierte Varianten zu setzen, Duftstoffe zu reduzieren oder ganz zu meiden und kurzkettige Alkohole kritisch zu betrachten.
Ein pragmatischer Ansatz: Duft und Alkohol, wenn überhaupt, eher in kurz einwirkenden Produkten „akzeptieren“ (Reinigung, eventuell ein abwaschbares Peeling) und bei den zentralen Pflegeprodukten bewusst auf eine niedrige Reizstofflast achten.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
1. „Alkoholfrei“ heißt nicht immer das, was man denkt
„Alkoholfrei“ wird häufig so verstanden, als sei keinerlei Alkohol enthalten. In der Praxis fehlen meist nur kurzkettige Alkohole wie Ethanol. Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol können dennoch enthalten sein. Sie sind für die meisten Hauttypen unproblematisch, bei extrem sensibler oder gestresster Haut kann sich ein genauer Blick in die INCI-Liste aber lohnen.
2. Duftstoffe in „natürlichen“ Produkten unterschätzen
Natürliche ätherische Öle wirken nicht automatisch sanfter. Im Gegenteil: Sie gehören zu den Duftquellen, die relativ häufig irritieren oder Allergien triggern können. „Natürlich“ sagt zunächst nur etwas über die Herkunft aus, nicht über die Reizpotenz.
3. Zu viele Duftquellen auf einmal
Ein einzelnes leicht parfümiertes Produkt ist meist unkritisch. Wenn jedoch Reinigung, Toner, Serum und Creme jeweils stark duften, summiert sich die Gesamtbelastung. Für die Haut – und auch für die Nase – kann das schnell zu viel werden.
4. Unklare Reaktionen ignorieren
Rötungen, Brennen, Kribbeln oder kleine, juckende Stellen nach einem neuen Produkt sind ein Warnsignal – insbesondere, wenn sie wiederholt bei demselben Produkt auftreten. Dann lohnt es sich, Inhaltsstoffe zu vergleichen und das Produkt im Zweifel konsequent wegzulassen.
Erprobte Tipps für eine hautfreundliche Wahl
INCI-Listen lesen lernen
Bei empfindlicher Haut auf Begriffe wie „Parfum“, „Fragrance“, „Aroma“ achten sowie auf kurzkettige Alkohole wie Alcohol denat., Ethanol oder Isopropyl Alcohol. Je weiter vorne sie stehen, desto höher ist in der Regel der Anteil.
Leave-on-Produkte besonders kritisch prüfen
Toner, Seren, Cremes und Augenpflege bleiben viele Stunden auf der Haut. Hier lohnt es sich, Duftstoffe möglichst gering zu halten oder ganz zu vermeiden und auf niedrig dosierte oder keine kurzkettigen Alkohole zu achten.
Neuheiten langsam einführen
Neue Produkte erst an einer kleinen Stelle über mehrere Tage testen, statt die komplette Routine auf einmal umzustellen. So lassen sich Reaktionen besser zuordnen.
Auf das Hautgefühl achten
Spannt, brennt oder wird die Haut mit der Zeit röter, ist das ein ernstzunehmender Hinweis. Beliebtheit, Marketingversprechen oder „clean“-Label ändern nichts daran, wie die eigene Haut tatsächlich reagiert.
Weniger ist oft mehr
Eine überschaubare Routine mit wenigen, gut verträglichen Produkten unterstützt die Barriere meist besser als ein ständig wechselndes Arsenal aus vielen hochaktiven Formulierungen.
Kurz zusammengefasst
Parfum und Alkohol sind nicht automatisch „Gift“ für die Haut, gehören aber zu den Inhaltsstoffen, die vergleichsweise häufig Reizungen begünstigen – vor allem bei trockener, empfindlicher oder bereits vorgeschädigter Haut. Kurzkettige Alkohole und bestimmte Duftstoffe verdienen daher Aufmerksamkeit, während Fettalkohole oft unproblematisch sind. Viele Hauttypen tolerieren niedrige Duftstoffmengen ohne Schwierigkeiten. Je sensibler Ihre Haut reagiert, desto sinnvoller ist es, auf reizärmere Formulierungen zu achten, INCI-Listen bewusst zu lesen und das eigene Hautgefühl als wichtigste Orientierung zu nehmen.