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Welche Inhaltsstoffe sollte man bei Neigung zu Handekzemen meiden?

Reizstoffe im Alltag: Welche Inhaltsstoffe Handekzeme unnötig verschlimmern können

Trockene, rissige oder juckende Hände gehören für viele zum Alltag – unangenehm, aber oft hingenommen. Problematisch wird es, wenn daraus Handekzeme entstehen. Dann reicht es meist nicht, nur „weniger zu waschen“ oder die Hände einzucremen. Häufig spielen auch die Inhaltsstoffe der Produkte eine Rolle, mit denen Ihre Haut täglich in Berührung kommt.

Im Folgenden geht es darum, welche Stoffe besonders häufig Schwierigkeiten machen, warum das so ist und wie Sie Ihre tägliche Routine so anpassen können, dass Ihre Hände möglichst wenig zusätzlich gereizt werden.


Warum die Haut an den Händen so empfindlich reagiert

Die Haut an den Händen ist konstruktiv im Nachteil: Sie besitzt deutlich weniger Talgdrüsen als die Gesichtshaut, produziert also weniger schützende Fette. Dadurch trocknet sie schneller aus, wird rau und anfälliger für Risse.

Kommt dann noch Belastung dazu – viel Wasser, Seife, Reibung, Kälte oder häufiges Desinfizieren –, gerät die Hautbarriere aus dem Gleichgewicht. Ist sie erst einmal geschwächt, können reizende Stoffe deutlich leichter eindringen. Das Ergebnis sind Rötungen, Schuppung, Brennen oder kleine, schmerzhafte Hautrisse. Menschen mit ohnehin trockener, sensibler oder zu Ekzemen neigender Haut geraten schneller in diesen Teufelskreis.

Die Auslöser lauern oft in ganz normalen Produkten:

  • Handseifen und Duschgele
  • Reinigungs- und Spülmittel
  • Desinfektionsmittel
  • Cremes, Lotionen, auch Make-up-Produkte

Entscheidend: Reaktionen sind sehr individuell. Was der eine problemlos verträgt, kann bei anderen nach einiger Zeit Beschwerden auslösen. Und selbst gut verträgliche Produkte können nach Jahren plötzlich zum Problem werden. Umso hilfreicher ist es, kritische Stoffgruppen zu kennen und bewusster zu wählen.


Diese Stoffgruppen gelten als besonders reizend oder problematisch

1. Aggressive Tenside (Schaumbildner)

Tenside sind die „Putzkräfte“ in Reinigungsprodukten: Sie lösen Fett und Schmutz – allerdings nicht nur den von außen, sondern auch die schützenden Fette der Haut. Bestimmte Tenside wirken dabei deutlich aggressiver als andere, etwa

  • stark entfettende anionische Tenside
  • hohe Konzentrationen klassischer Schaumbildner in Handseifen und Spülmitteln

Die Folge: Direkt nach dem Waschen fühlt sich die Haut gespannt und „quietschsauber“ an, wird mit der Zeit aber rau, spröde und deutlich anfälliger für Ekzeme. Gerade wer sehr häufig wäscht, merkt diesen Effekt schnell.

2. Duftstoffe und Parfüm-Mischungen

Duftstoffe zählen zu den häufigsten Auslösern für Kontaktallergien – egal, ob synthetisch oder „natürlich“. Sie finden sich in

  • parfümierten Handcremes
  • Flüssigseifen
  • Reinigern, Raumsprays und Duftölen

Die Haut kann darauf mit Rötungen, Brennen oder juckenden, teils nässenden Ekzemen reagieren. Tückisch: Die Reaktion muss nicht sofort auftreten. Oft verschlechtert sich das Hautbild verzögert, sodass der Zusammenhang mit einem bestimmten Produkt nicht gleich auffällt.

3. Konservierungsstoffe

Ohne Konservierungsstoffe würden viele Produkte schnell verderben – sie sind also nicht per se „schlecht“. Bei vorgeschädigter oder sehr empfindlicher Haut können jedoch bestimmte Vertreter Probleme bereiten, etwa

  • Formaldehydabspalter
  • einige klassische Konservierungsstoffe in Kosmetik und Reinigungsmitteln

Nicht jeder Konservierer ist ein Problem, und er ist auch nicht beliebig ersetzbar. Wer aber zu Handekzemen neigt, fährt meist besser mit Produkten, die mit möglichst wenigen und gut verträglichen Konservierungsstoffen auskommen – und insgesamt sparsam formuliert sind.

4. Bestimmte Alkohole

Alkohole in Kosmetika haben verschiedene Funktionen: Sie konservieren, erleichtern das Eindringen anderer Stoffe oder sorgen dafür, dass Produkte sich leicht verteilen und schnell einziehen.

In höheren Konzentrationen können austrocknende Alkohole aber

  • die Haut entfetten
  • die ohnehin geschwächte Barriere zusätzlich angreifen
  • auf gereizter Haut ein deutliches Brennen auslösen

Typische Beispiele sind Desinfektionsmittel oder manche Gesichtswasser/Toner, die im Alltag auch über die Hände laufen. Bei bereits irritierter Haut kann das den Zustand merklich verschlechtern.

5. Farb- und andere Zusatzstoffe

Künstliche Farbstoffe und diverse „Nice-to-have“-Zusätze sind aus Sicht der Haut selten nötig. Empfindliche Hände reagieren auf dieses „Zubehör“ nicht selten mit zusätzlicher Reizung. Als grobe Faustregel gilt: Je auffälliger der Duft und je intensiver die Farbe eines Produkts, desto mehr potenziell problematische Inhaltsstoffe können enthalten sein.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie umgehen

  • Zu häufiges Waschen mit stark schäumenden Produkten
    Selbst als „mild“ deklarierte Seifen können bei sehr hoher Waschfrequenz zu viel Hautfett entfernen. Schaum ist kein Qualitätsmerkmal, sondern oft eher ein Warnsignal.

  • Viele unterschiedliche Produkte parallel
    Mit jedem Produkt kommen neue Duft-, Farb- oder Konservierungsstoffe auf die Haut. Wer Hände, Gesicht und Körper mit diversen Spezialprodukten behandelt, summiert die Belastung.

  • „Intensive“ Düfte und bunte Produkte
    Was gut riecht und schön aussieht, ist meist reich an Duft- und Farbstoffen. Für empfindliche Hände ist das selten ein Vorteil.

  • Unachtsamer Kontakt mit Haushaltsreinigern
    Spülmittel, Allzweckreiniger, Kalklöser oder Backofenreiniger greifen die Hautbarriere massiv an – vor allem bei direktem Kontakt und ohne Handschuhe.


Sanftere Strategien für empfindliche Hände

  • Auf reduzierten Inhaltsstoffmix achten
    Wählen Sie Produkte mit möglichst überschaubarer INCI-Liste, ohne intensive Duftstoffe und ohne „Show-Effekte“ wie starke Farbe oder Glitzer.

  • Milde, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte wählen
    pH-hautneutrale oder leicht saure Syndets sind in der Regel schonender als klassische, stark alkalische Seifenstücke.

  • Wasser und Reizstoffe begrenzen
    Beim Putzen und Spülen konsequent Handschuhe tragen. Nach dem Waschen die Hände nur vorsichtig abtupfen statt kräftig zu rubbeln – das schont die ohnehin angegriffene Haut.

  • Konsequent nachfetten
    Nach jedem Waschen eine passende Handpflege auftragen. Je trockener und rissiger die Hände, desto sinnvoller sind reichhaltigere, eher fetthaltige Texturen. Das wirkt unspektakulär, macht aber langfristig einen großen Unterschied.

  • Neue Produkte langsam testen
    Ein neues Produkt zunächst an einer kleinen Hautstelle verwenden und ein paar Tage abwarten. Erst wenn keine Reizung auftritt, großflächiger anwenden.


Kurz zusammengefasst

Bei Handekzemen ist selten ein einzelner „böser“ Inhaltsstoff allein verantwortlich. Meist ist es die Kombination aus häufigem Waschen, mechanischer Belastung und wiederholtem Kontakt mit reizenden Stoffen wie starken Tensiden, Duftstoffen, bestimmten Konservierungsstoffen und austrocknenden Alkoholen.

Je geschädigter die Hautbarriere, desto empfindlicher reagiert die Haut auf all das. Produkte mit reduzierter, duftstoffarmer Formulierung, milde Reinigung und konsequente Pflege entlasten die Hände und helfen, bestehende Ekzeme nicht zusätzlich zu befeuern.


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