Braucht meine Haut mehr Fett oder mehr Feuchtigkeit? So erkennen Sie den Unterschied
Viele Menschen merken: Die Haut fühlt sich „nicht richtig“ an – aber woran liegt das genau? Fehlt Fett oder fehlt Feuchtigkeit? Trockene Stellen, Glanz, Spannungsgefühl oder Unreinheiten können ähnlich aussehen, aber sehr unterschiedliche Ursachen haben. In diesem Artikel geht es darum, diese Signale besser zu lesen und die Pflege so auszuwählen, dass sie wirklich passt.
Was Haut eigentlich braucht: Lipide, Feuchtigkeit – oder beides?
Die Hautbarriere besteht vereinfacht aus Zellen, die von Fetten (Lipiden) umgeben sind – ein bisschen wie eine Mauer aus Ziegelsteinen und Mörtel.
- Lipide (Fette) stabilisieren diese Schutzschicht und verhindern, dass zu viel Wasser nach außen entweicht.
- Feuchtigkeit stammt zum einen aus Wasser in der Haut, zum anderen aus Stoffen, die Wasser an sich binden (z. B. natürliche Feuchthaltefaktoren).
Fehlt der Haut vor allem Feuchtigkeit, spricht man von „feuchtigkeitsarmer“ oder „dehydrierter“ Haut. Geht es ihr eher an Fetten verloren, ist von „lipidarmer“ oder „fettarmer“ Haut die Rede.
Entscheidend:
- Jede Haut kann feuchtigkeitsarm werden – auch sehr ölige.
- Jede Haut kann lipidarm werden – auch empfindliche Mischhaut.
Und häufig liegt beides gleichzeitig vor, nur in unterschiedlicher Ausprägung.
Kleine Hautanalyse zu Hause: So testen Sie Ihre Bedürfnisse
Sie brauchen keine Hightech-Geräte, um Ihre Haut etwas genauer kennenzulernen. Beobachtung und ein paar einfache Schritte reichen aus.
1. Der Wasch-Test
- Reinigen Sie Ihr Gesicht mit einer milden Reinigung und tupfen Sie es nur trocken.
- Warten Sie 20–30 Minuten ohne jedes Pflegeprodukt.
- Fühlt sich die Haut dann rau, sehr gespannt, eventuell schuppig an: eher lipidarm.
- Wirkt sie eher dünn, „durstig“, leicht gespannt, aber ohne ausgeprägte Schuppung: eher feuchtigkeitsarm.
2. Glanz und Spannungsgefühl einordnen
- Glänzt Ihre Haut schnell, wirkt aber trotzdem fahl, müde oder fühlt sich an, als würde sie „nach innen spannen“? Das passt oft zu feuchtigkeitsarmer, aber fettiger Haut.
- Wirkt die Haut eher matt, stumpf, neigt zu Rötungen und fühlt sich schnell rau an? Das spricht eher für lipidarme Haut.
3. Falten-Check im Nahbereich
- Sehr feine, netzartige Linien – besonders um Augen und Mund –, die im Laufe des Tages sichtbarer werden, deuten eher auf Feuchtigkeitsmangel hin.
- Deutlichere Trockenheitsfältchen, kombiniert mit sprödem, rauem Hautgefühl, passen eher zu Lipidmangel.
Typische Stolperfallen bei der Einschätzung der eigenen Haut
„Meine Haut glänzt – also braucht sie keine Pflege.“
Glanz ist vor allem ein Zeichen für viel Talg. Das sagt wenig darüber aus, wie gut die Haut mit Wasser versorgt ist. Ölige Haut kann gleichzeitig stark feuchtigkeitsarm und innerlich gespannt sein.
„Trocken = einfach eine reichhaltige Creme drauf.“
Nur Fett aufzutragen, ohne Feuchtigkeit zuzuführen, führt häufig zu diesem Gefühl: außen cremig, innen immer noch trocken. Trockene Haut braucht meist eine Kombination aus beidem.
„Je mehr Produkte, desto besser gepflegt.“
Viele Produkte, häufige Wechsel oder aggressive Reinigungen können die Hautbarriere eher schwächen als unterstützen. Dann verliert die Haut sowohl Lipide als auch Feuchtigkeit – die Folge: Reizungen, Rötungen, Spannungsgefühl, plötzliche Empfindlichkeit.
Praktische Orientierung: So passen Sie Ihre Pflegeroutine an
Wenn Ihre Haut eher Lipide braucht
- Wählen Sie Pflege, die sich leicht bis mittelreichhaltig anfühlt, die Haut aber dauerhaft geschmeidiger macht.
- Vermeiden Sie zu häufiges Reinigen und stark schäumende, entfettende Produkte.
- Steigern Sie den Fettgehalt langsam, damit die Haut sich an eine reichhaltigere Pflege gewöhnen kann.
Wenn Ihre Haut eher Feuchtigkeit braucht
- Setzen Sie auf leichte, wasserreiche Texturen wie Fluids, Toner oder Gel-Cremes.
- Arbeiten Sie mit Schichten: mehrere dünne, feuchtigkeitsspendende Produkte statt einer einzigen, sehr schweren Creme.
- Ausreichend trinken ersetzt keine Pflege, unterstützt aber die Haut von innen, wenn die äußere Routine stimmt.
Wenn beides fehlt – was sehr häufig der Fall ist
- Beginnen Sie mit einem Schritt, der gut Feuchtigkeit liefert (z. B. Toner, Essence, Serum).
- Tragen Sie anschließend eine Creme auf, die weder zu leicht wegzieht noch wie ein Film aufliegt.
- Beobachten Sie Ihre Haut über einige Tage: Wirkt sie ruhiger, weniger gespannt und gleichmäßiger, sind Sie grundsätzlich auf dem richtigen Weg.
Kurz zusammengefasst
Ob Ihrer Haut eher Lipide oder eher Feuchtigkeit fehlen, zeigt sich an ihrem Gefühl, ihrem Erscheinungsbild und ihrem Verhalten nach der Reinigung. Glanz steht in erster Linie für Talg, nicht für gute Versorgung. Und Trockenheit bedeutet nicht automatisch „zu wenig Creme“, sondern oft ein Ungleichgewicht zwischen Fett und Feuchtigkeit. In vielen Fällen fehlt beides – dann hilft eine Routine, die gezielt Feuchtigkeit einbringt und sie anschließend mit passenden Lipiden in der Haut hält.