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Brauche ich eine getrennte Tages- und Nachtcreme?

Brauche ich wirklich eine eigene Tages- und Nachtcreme?

Viele Pflegeroutinen sehen zwei verschiedene Cremes vor: eine für den Tag, eine für die Nacht. Die Frage ist: Braucht man das – oder genügt ein gutes Produkt für morgens und abends? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist, wie Ihre Haut arbeitet, was Sie von Ihrer Pflege erwarten und wie schlicht oder ausgefeilt Ihre Routine sein soll. Im Folgenden geht es darum, wie sich die Bedürfnisse der Haut tagsüber und nachts unterscheiden, wann zwei Produkte sinnvoll sind – und wann eine einzige Creme völlig ausreicht.


Was Ihre Haut tagsüber braucht – und was nachts im Fokus steht

Die Haut ist ständig aktiv, aber der Schwerpunkt ihrer Arbeit verschiebt sich je nach Tageszeit.

Tagsüber steht Schutz im Vordergrund:

  • Schutz vor UV-Strahlung
  • Schutz vor Umweltbelastungen wie Abgasen und Feinstaub
  • Schutz vor Austrocknung durch Heizungsluft oder Klimaanlagen

Deshalb sind Tagescremes häufig:

  • leichter in der Textur
  • so formuliert, dass sie sich mit Make-up vertragen
  • teilweise mit integriertem UV-Schutz ausgestattet (der kann aber auch separat kommen – was oft sogar flexibler ist)

Nachts nutzt die Haut die Ruhephase zur Reparatur:

  • die Durchblutung ist erhöht
  • zelluläre Reparaturprozesse laufen intensiver
  • die Hautbarriere wird erneuert und gestärkt

Nachtcremes sind daher in der Regel:

  • reichhaltiger und stärker nährend
  • stärker auf Feuchtigkeit und Regeneration ausgerichtet
  • ohne UV-Filter, weil sie nachts keinen Zweck erfüllen

Wichtig zur Einordnung: Hier geht es um klassische kosmetische Pflege. Produkte mit medizinischen Wirkstoffen oder sehr hoch dosierten Aktivstoffen gehören in die Hand einer Hautärztin bzw. eines Hautarztes.


So bauen Sie Ihre Routine sinnvoll auf – mit oder ohne Extra-Nachtcreme

Ob Sie wirklich zwei getrennte Cremes brauchen, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:

  1. Hauttyp

    • Fettige, Mischhaut oder zu Unreinheiten neigende Haut kommt oft gut mit einer leichten, nicht fettenden Creme aus, die morgens und abends funktioniert.
    • Trockene, empfindliche oder reife Haut profitiert abends häufig von mehr „Substanz“: einer cremigeren, okklusiveren Textur, die Feuchtigkeit besser hält.
  2. Lebensstil und Umgebung

    • Viel Sonne, Stadtluft, Klimaanlage im Büro: Tagsüber ist ein guter Schutz zentral – vor allem ein eigenständiger Sonnenschutz.
    • Wer regelmäßig Make-up trägt, greift morgens meist lieber zu sehr leichten, schnell einziehenden Texturen, damit nichts rutscht oder glänzt.
  3. Pflegeanspruch

    • Minimalistische Routine: Eine gut formulierte Allround-Creme plus konsequenter Sonnenschutz am Tag kann völlig ausreichen.
    • Ausdifferenzierte Routine: Eine leichtere Tagespflege und eine reichhaltigere Nachtpflege erlauben, die Formulierungen viel genauer an das Hautgefühl anzupassen.

Ein sinnvoller Aufbau kann so aussehen:

  • Morgens: milde Reinigung, Feuchtigkeit (z. B. Serum oder leichte Pflege), Creme, anschließend Sonnenschutz
  • Abends: Reinigung, ggf. Wirkstoffserum, je nach Bedarf eine leichtere oder deutlich reichhaltigere Creme

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie umgehen

1. „Nachtcreme ersetzt Sonnenschutz“
Auch die reichhaltigste Nachtcreme bietet keinen Schutz vor UV-Strahlung. Ein separates Sonnenschutzprodukt mit ausreichendem Lichtschutzfaktor ist tagsüber unverzichtbar – unabhängig davon, wie pflegend Ihre Tagescreme ist.

2. Zu reichhaltig am Tag, zu wenig in der Nacht
Eine sehr schwere, okklusive Creme am Morgen führt leicht zu Glanz, verstopften Poren und Make-up, das sich absetzt. Umgekehrt kann eine ultraleichte Lotion nachts zu wenig sein, besonders bei trockener, feuchtigkeitsarmen oder reifer Haut.

3. Zu viele Produkte auf einmal verändern
Wenn Sie Tages- und Nachtcreme neu einführen oder wechseln, tun Sie das besser nacheinander. So lässt sich klarer erkennen, welches Produkt Ihre Haut mag – und welches nicht.

4. Hautsignale übergehen
Hautbedürfnisse bleiben nicht konstant. Jahreszeiten, Hormone, Alter, Stress, Medikamente – all das kann die Anforderungen verändern. Was im Sommer als Nachtpflege genügt, ist im Winter unter Umständen schlicht zu wenig.


Praxistipps, wie Sie die passende Lösung für sich finden

  • Auf die Textur achten:
    Morgens funktionieren meist gelige, leichte oder fluidartige Texturen gut. Abends darf es – vor allem bei trockener oder reifer Haut – cremiger, balmartiger oder etwas „fetthaltiger“ sein.

  • Eine Creme, zwei Einsatzzwecke:
    Wenn Sie eine ausgewogen formulierte, nicht zu schwere Creme haben, können Sie diese durchaus morgens und abends verwenden. Entscheidend: Am Tag kommt ein separater Sonnenschutz obendrauf.

  • Nicht auf den Namen, sondern auf die Formulierung schauen:
    Die Begriffe „Tagescreme“ und „Nachtcreme“ sind rechtlich nicht geschützt. Wichtiger als das Label ist, was drin ist und wie es sich anfühlt: Liegt der Fokus eher auf Schutz und Leichtigkeit oder auf Regeneration und Pflege?

  • Auf Rückmeldungen der Haut achten:
    Spannungsgefühl, schuppige Stellen, Rauigkeit deuten auf zu wenig Pflege hin. Starker Glanz, „schwere“ Haut, vermehrte Unreinheiten sprechen eher für eine überpflegte oder zu okklusive Hautoberfläche.

  • Routine an die Jahreszeiten anpassen:
    Im Sommer reicht vielen eine leichte Creme plus Sonnenschutz, manchmal sogar nur ein Serum unter dem SPF. Im Winter macht eine zusätzliche oder deutlich reichhaltigere Abendpflege für viele Hauttypen einen spürbaren Unterschied.


Kurz zusammengefasst

Eine strikt getrennte Tages- und Nachtcreme ist kein Muss. Sie kann aber sinnvoll sein, wenn Sie Ihre Pflege sehr fein auf Schutz am Tag und Regeneration in der Nacht abstimmen wollen. Entscheidend ist weniger der Produktname als die Formulierung: Tagsüber geht es vor allem um Schutz, leichte Texturen und Kompatibilität mit Sonnenschutz und Make-up; nachts um Regeneration, Feuchtigkeit und – je nach Hauttyp – mehr Nährstoffe und Okklusion. Mit einer gut verträglichen Basiscreme und konsequent verwendetem Sonnenschutz sind Sie bereits solide aufgestellt.


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