Feine Balance: Welche Augenpflege für Kontaktlinsenträger wirklich sinnvoll ist
Kontaktlinsen und Augenpflege – das ist tatsächlich eine etwas heikle Kombination. Viele stehen ratlos vor dem Spiegel: Welche Creme, welches Gel, welches Serum pflegt die empfindliche Augenpartie, ohne die Linsen zu stören oder die Augen zusätzlich zu reizen? Besonders, wenn die Augen ohnehin zu Trockenheit oder Rötungen neigen, wächst die Unsicherheit.
Im Folgenden geht es darum, welche Texturen sich bewährt haben, worauf Sie bei den Inhaltsstoffen achten sollten und wie Sie Ihre Augenpflege so in die Routine einbauen, dass die Kontaktlinsen ungestört bleiben.
Warum Kontaktlinsen die Augenpartie besonders sensibel machen
Kontaktlinsen liegen direkt auf der Augenoberfläche und beeinflussen den natürlichen Tränenfilm. Das Auge trocknet schneller aus, Reizstoffe werden weniger gut „verdünnt“ und die gesamte Region reagiert empfindlicher.
Die Haut rund um die Augen ist zusätzlich von Natur aus dünn, zart und schlecht gepolstert. Sie kommt mit schweren, sehr fettigen Texturen oder stark parfümierten Produkten oft schlechter zurecht als der Rest des Gesichts. Gelangt Pflege zu nah an den Wimpernkranz, können einzelne Bestandteile in den Tränenfilm übergehen. Die Folge: verschwommene Sicht, ein schlieriger Film auf der Linse oder schlicht gereizte, müde wirkende Augen.
Für Kontaktlinsenträger zählen daher vor allem drei Punkte:
- möglichst leichte, schnell einziehende Texturen
- zurückhaltend formulierte Produkte, die für die Augenpartie gedacht sind
- eine Auftragetechnik, die den Kontakt zwischen Pflege und Linse so gut wie möglich verhindert
Leichte Texturen, klare Regeln: Welche Augenpflege grundsätzlich gut passt
In der Praxis haben sich bei Kontaktlinsenträgern bestimmte Eigenschaften bewährt:
Gel- oder Creme-Gel-Texturen
Sie sind in der Regel leichter als sehr reichhaltige, wachsige Cremes und ziehen schneller ein. Das senkt das Risiko, dass sich noch wandernde Produktreste Richtung Auge und Linse bewegen.
Produkte, die ausdrücklich für die Augenpartie ausgewiesen sind
Solche Formulierungen sind meist milder als klassische Gesichtscremes: oft weniger Duftstoffe, weniger potenzielle Reizfaktoren, angepasste Textur für die dünne Haut um die Augen.
Parfümarme oder unparfümierte Formulierungen
Duftstoffe sind nicht grundsätzlich „schlecht“, können empfindliche Augen aber unnötig stressen. Dezente oder duftfreie Varianten sind hier meist die solidere Wahl.
Pflege mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen
Bewährte Kandidaten sind z. B. Glycerin oder Hyaluronsäure. Sie versorgen die Haut mit Feuchtigkeit, ohne sie zu überladen oder ein fettiges Gefühl zu hinterlassen.
Augentropfen als Ergänzung, nicht als Ersatz
Befeuchtende Tropfen können bei trockenen Augen sehr hilfreich sein, ersetzen aber keine Pflege für die Haut. Auch hier gilt: Nur Tropfen verwenden, die als kontaktlinsenverträglich ausgewiesen sind.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Einige Fehler treten bei Kontaktlinsenträgern immer wieder auf und lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit gut umgehen:
Zu reichhaltige, sehr fettige Cremes am Lidrand
Ölige Rückstände können sich auf der Linse ablagern und zu Schleiern, Schlieren oder einem „verschmierten“ Blick führen. Deshalb: etwas Abstand zum Wimpernkranz halten.
Augenpflege direkt vor dem Einsetzen der Linsen
Ist die Pflege noch nicht komplett eingezogen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Reste an den Fingern oder direkt auf der Linse landen. Das fällt nicht immer sofort auf, kann aber im Laufe des Tages stören.
Reiben oder Ziehen an der Augenpartie
Starkes Reiben bringt Pflegeprodukte leichter ins Auge, reizt die ohnehin empfindliche Haut und kann die Linse verrutschen oder sogar teilweise herausdrücken.
Produkte mit intensiven ätherischen Ölen in der Nähe der Augen
Pfefferminze, Eukalyptus & Co. mögen im Gesicht belebend wirken, brennen in Augennähe aber schnell und können die Bindehaut reizen. Kontaktlinsenträger merken solche Reize meist noch deutlicher.
Praxisnah angewendet: So integrieren Sie Augenpflege sicher in Ihre Routine
Mit ein paar klaren Abläufen lässt sich Augenpflege auch mit Kontaktlinsen gut und stressfrei nutzen:
Reihenfolge beachten
Zuerst gründlich reinigen, dann die Augenpflege auftragen und ihr ein paar Minuten Zeit geben, vollständig einzuziehen. Erst im Anschluss die Kontaktlinsen einsetzen. So minimieren Sie den direkten Kontakt von Pflege und Linse.
Auftragstechnik optimieren
Eine kleine Menge mit dem Ringfinger aufnehmen, unterhalb der Augen und entlang des Knochenrands (Orbitalrand) sanft einklopfen oder leicht verstreichen. Den direkten Wimpernkranz und die innere Lidkante bewusst aussparen.
Abends etwas großzügiger pflegen
Wer tagsüber sehr vorsichtig sein möchte, kann den Schwerpunkt auf die abendliche Routine legen: ohne Kontaktlinsen, mit etwas reichhaltigerer – aber weiterhin augenverträglicher – Pflege.
Bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abklären lassen
Wenn Brennen, starke Rötungen oder dauerhaft sehr trockene Augen auftreten, gehört das zum Augenarzt. Solche Beschwerden sollten geklärt sein, bevor neue Produkte langfristig in der Routine bleiben.
Kurz zusammengefasst
Für Kontaktlinsenträger eignen sich vor allem leichte, schnell einziehende Augenpflegeprodukte, die speziell für die sensible Augenpartie formuliert sind und möglichst wenig Duftstoffe enthalten. Entscheidend ist nicht nur, was Sie verwenden, sondern wie: mit Abstand zum Wimpernkranz auftragen, ausreichend einziehen lassen und die Kontaktlinsen erst danach einsetzen. So bleibt die Haut gut versorgt, ohne Linsen oder Augen unnötig zu belasten.