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Was ist der Unterschied zwischen Shampoo für Friseurbedarf und Drogerie-Shampoo?

Profi-Formel oder Regalware? Was hinter Shampoo für Friseurbedarf wirklich steckt

Ob Shampoo aus dem Friseurbedarf tatsächlich „besser“ ist als das aus der Drogerie, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Gerade bei empfindlichem, koloriertem oder stark beanspruchtem Haar entsteht schnell der Eindruck, man müsse zu Profi-Produkten greifen, um nichts „falsch“ zu machen.
Im Folgenden geht es darum, worin sich beide Shampoo-Kategorien tatsächlich unterscheiden, wie Sie die INCI-Liste sinnvoll nutzen und welche Kriterien am Ende wirklich zählen. Ziel ist nicht, eine Seite zur „richtigen“ zu erklären, sondern Ihnen eine Grundlage zu geben, auf der Sie bewusst entscheiden können, was zu Ihrem Haar und Ihrem Alltag passt.


Was Friseurbedarf-Shampoo von Drogerie-Shampoo grundsätzlich unterscheidet

Shampoos aus dem Friseurbedarf sind in erster Linie für den professionellen Einsatz gedacht. Sie werden häufig für klar definierte Situationen entwickelt: stark strapaziertes Haar nach Blondierung, intensiv gefärbtes Haar, ausgeprägte Lockenstrukturen oder chemisch geglättetes Haar. Friseur:innen lernen, diese Produkte gezielt auszuwählen, zu kombinieren und korrekt zu dosieren.

Drogerie-Shampoos sind dagegen auf eine breite Masse ausgelegt. Sie sollen im Idealfall „für viele gut funktionieren“: akzeptable Reinigung, angenehmes Haargefühl, ansprechender Duft – zu einem Preis, der für den Alltag passt und ohne Beratungsaufwand auskommt.

Wichtig ist: Beide Produktwelten müssen dieselben gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit erfüllen. Weder Profi- noch Drogerie-Shampoos dürfen gesundheitsgefährdende Mengen problematischer Inhaltsstoffe enthalten. Die Unterschiede liegen eher in Nuancen:

  • Konzentration einzelner Wirk- oder Pflegestoffe
  • Grad der Spezialisierung (z. B. für starke Blondierungen, Dauerwellen, intensive Colorationen)
  • sensorische Aspekte wie Textur, Duft, Schaumbildung und Pflegegefühl

Woran Sie die Unterschiede konkret erkennen können

Statt sich auf Begriffe wie „Profiqualität“ oder „Salonexklusiv“ zu verlassen, lohnt sich ein etwas genauerer Blick auf das Produkt.

1. Inhaltsstoffe und Fokus
Friseurbedarf-Shampoos sind oft klar auf einen Zweck zugeschnitten: etwa Farbschutz, besonders schonende Reinigung nach chemischen Behandlungen oder Unterstützung bei bestimmten Kopfhaut-Themen. Dafür werden Tenside, Pflegestoffe, Öle oder Proteine manchmal gezielter kombiniert und höher dosiert.

Drogerie-Shampoos arbeiten eher als Allrounder. Sie sollen waschen, halbwegs pflegen, angenehm riechen und möglichst für viele Haartypen funktionieren. Die Rezepturen zielen deshalb weniger auf sehr spezielle Haarzustände, sondern auf Alltagstauglichkeit: „ein Produkt für möglichst viele Fälle“.

2. Konsistenz und Schaumbildung
Viele Profi-Shampoos sind konzentrierter und für den Salongebrauch gedacht – dort wird oft verdünnt oder mit sehr kleinen Mengen gearbeitet. Das Produkt muss deshalb nicht zwangsläufig schäumen wie eine Schaumparty, um zu reinigen.

Drogerie-Shampoos werden häufig so abgestimmt, dass sie schnell und reichlich Schaum produzieren. Für viele Nutzer:innen ist Schaum ein Signal für „gründlich sauber“, auch wenn die tatsächliche Reinigungsleistung in erster Linie von der Art und Kombination der Tenside abhängt.

3. Preisstruktur
Friseurbedarf-Produkte sind pro 100 ml meist teurer. Teilweise steckt mehr Wirkstoffkonzentration dahinter, teilweise die Kalkulation für den Salonkontext: Beratung, Dienstleistung, Markenimage.
Drogerie-Marken kalkulieren in größeren Mengen und stärker über attraktive Preise. Das bedeutet nicht automatisch schlechtere Qualität, aber oft eine andere Prioritätensetzung bei Rezeptur und Marketing.


Typische Irrtümer – und was wirklich stimmt

„Friseur-Shampoo ist automatisch besser.“
So einfach ist es nicht. Ein sehr reichhaltiges Profi-Shampoo kann feines, schnell fettendes Haar regelrecht platt drücken. Eine intensive Reinigung, die für stark gestyltes oder behandeltes Haar gedacht ist, kann eine empfindliche Kopfhaut unnötig reizen.
„Besser“ ist immer relativ: Es meint „passender für Ihre Haare und Ihre Kopfhaut“ – nicht „teurer“ oder „professioneller“.

„Drogerie-Shampoo ist immer aggressiver.“
Aggressivität hat nichts mit dem Verkaufsort zu tun, sondern mit der Formulierung. Auch in der Drogerie finden sich mildere Shampoos mit sanften Tensidkombinationen – genauso wie sehr kräftig reinigende Varianten im Friseurbedarf. Entscheidend ist, welche Tenside verwendet werden, wie sie kombiniert sind und wie gut das Gesamtprodukt zu Ihrer Kopfhaut passt.

„Für gesunde Haare brauche ich unbedingt Profi-Produkte.“
Wer naturbelassenes, wenig beanspruchtes Haar hat, kommt in vielen Fällen mit einem gut gewählten Drogerie-Shampoo problemlos zurecht. Spezialprodukte aus dem Friseurbedarf werden vor allem dann interessant, wenn Haare regelmäßig blondiert, intensiv koloriert, chemisch geglättet oder mechanisch stark belastet werden. Dann können gezieltere Formulierungen tatsächlich Vorteile bringen – müssen aber trotzdem zur individuellen Situation passen.


Wie Sie das passende Shampoo für Ihren Alltag wählen

  • Ausgangspunkt: Ihr Haarzustand
    Sind Ihre Haare naturbelassen oder chemisch behandelt? Eher fein und leicht, oder dick und schwer? Glatt, wellig, lockig, stark strukturiert? Je spezieller die Haarstruktur und -geschichte, desto eher lohnt sich der Blick auf professionell ausgerichtete Serien, die genau diese Situationen adressieren.

  • Kopfhaut im Blick behalten
    Neigt Ihre Kopfhaut zu Juckreiz, Schuppen, Rötungen oder schneller Nachfettung? In solchen Fällen ist die Milde der Reinigung wichtiger als das Etikett „Profi“ oder „Drogerie“. Testen Sie mildere Varianten, beobachten Sie Reaktionen über mehrere Wäschen und wechseln Sie nicht zu hastig hin und her.

  • INCI-Liste grob lesen, nicht auswendig lernen
    Sie müssen nicht jedes lateinische oder chemische Wort entschlüsseln. Hilfreich ist schon ein grober Eindruck: Enthält das Shampoo sehr viele Öle, Buttern und stark rückfettende Stoffe, kann das feines Haar beschweren. Sehr reduzierte Formulierungen sind oft leichter und manchmal besser verträglich, wirken aber dafür nicht so pflegend-opulent.

  • In Ruhe ausprobieren
    Shampoo ist kein Zauberstab, der nach einer Anwendung alles verändert. Geben Sie einem Produkt einige Haarwäschen Zeit, bevor Sie ein Urteil fällen. Wenn Kopfhaut und Längen nach ein bis zwei Wochen konsequenter Nutzung immer noch problematisch reagieren, ist ein Wechsel sinnvoll. Ständiges Rotieren zwischen Produkten erschwert es dagegen, Ursache und Wirkung zu erkennen.


Auf den Punkt gebracht: Es zählt, was für Sie funktioniert

Der eigentliche Unterschied zwischen Friseurbedarf-Shampoo und Drogerie-Shampoo liegt nicht in der grundsätzlichen Sicherheit, sondern in Spezialisierungsgrad, Wirkstoffkonzentration, sensorischer Ausrichtung und Preis.
Profi-Shampoos können bei stark beanspruchtem, chemisch behandeltem oder sehr spezifischem Haarzustand klare Vorteile bringen – vorausgesetzt, sie sind passend gewählt. Drogerie-Shampoos sind gut zugänglich, bezahlbar und für viele Haartypen völlig ausreichend.

Die beste Wahl ist weder die teuerste noch die „professionellste“, sondern die, mit der Ihre Kopfhaut ruhig bleibt und sich Ihre Haare so verhalten, wie Sie es sich wünschen – unabhängig davon, wo Sie sie gekauft haben.


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